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Covid bringt Arbeitsmarkt nicht aus dem Lot

Weniger Arbeitslose als befürchtet: Die Kurzarbeitsentschädigung wirkt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Arno Schmocker.

Arno Schmocker, Bern
«Die enorme Hilfe durch den Bund verhinderten eine Entlassungs- und Konkurswelle.»

Wie schon im Vorjahr hat sich der Schweizer Arbeitsmarkt 2021 besser entwickelt als befürchtet. Seit dem dritten Quartal sind das Bruttoinlandprodukt (BIP) und die Beschäftigung gar wieder über das Niveau von vor dem Ausbruch der Pandemie geklettert.

Gemäss den neusten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ist die Arbeitslosenquote übers Jahr kontinuierlich von 3,7 auf 2,6% gesunken. Die Zahl der Personen ohne Arbeit schrumpfte von 170’000 auf 122’000.

Im Jahresdurchschnitt resultierte eine Quote von 3%; vor einem Jahr war das Seco von 3,3% ausgegangen. Die unerwartet rasche und breite Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts seit Frühjahr 2020 wäre ohne enorme Hilfe durch den Bund und die Kurzarbeitsentschädigung nicht möglich gewesen. Es kam weder zu einer Entlassungs- noch zu einer Konkurswelle.

In den beiden vergangenen Jahren hat das Instrument der Kurzarbeitsentschädigung mehr als 350’000 Arbeitsstellen gerettet. Im April 2020, dem Höhepunkt der Covid-Krise, haben laut Seco-Direktor Boris Zürcher nicht weniger als ein Viertel aller Unternehmen die Kurzarbeitsentschädigung in Anspruch genommen. Täglich wurden mehr als 100 Mio. Fr. ausbezahlt. Mittlerweile erreichen die nunmehr selteneren Spitzenwerte kaum 20 Mio. Fr.

Der Aufwand von kumuliert rund 15 Mrd. Fr. für die Kurzarbeitsentschädigung wurde vor allem aus der Bundeskasse bestritten. Insgesamt hat die Schweiz bislang Ausgaben zur Bewältigung der Coronakrise von über 40 Mrd. Fr. geschultert.

Die vom damaligen Bundesrat Kaspar Villiger vor zwanzig Jahren propagierte und vom Volk mit wuchtigem Mehr angenommene Schuldenbremse auf Bundesebene hat sich als segensreich erwiesen. Dank der niedrigen Schuldenquote hatte die Schweiz in der Pandemie erheblichen finanziellen Manövrierraum.

Entlastung gab es 2021 nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Angestellte, die ihre Stelle verloren: Trotz der vorübergehend höheren Arbeitslosigkeit haben sich die Aussteuerungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau halbiert, die Sozialhilfe war eher rückläufig – entgegen der Befürchtung der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), diese werde massiv zunehmen. Verantwortlich dafür war eine zweimalige Erhöhung der Taggelder und eine verlängerte Bezugsdauer für Arbeitslosentschädigung. Dieser Stützungseffekt wird freilich 2022/23 abnehmen.

Abgesehen davon und trotz erneuten Fachkräftemangels sind die Aussichten für den Arbeitsmarkt rosiger als vor Jahresfrist. Das Seco rechnet mit einer Arbeitslosenquote von 2,4% im Mittel, einem der niedrigsten Werte in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Die Kurzarbeitsentschädigung wird noch einmal aus der Bundeskasse finanziert, doch dürfte der Bedarf auf unter 1 Mrd. Fr. sinken. Spätestens 2023, forderten bürgerliche Politiker in der Budgetdebatte der Wintersession, müsste die Covid-Bundeshilfe dann ein Ende finden.

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