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Credit-Suisse-Aktien schliessen unter 10 Fr.

Aufgrund drohender Milliardenverluste rückt die Kapitaldecke der Grossbank immer mehr in den Fokus der Anleger.

(AWP) Die Aktien der Credit Suisse (CSGN 9.38 +0.82%) setzen am Mittwoch ihre Talfahrt an der Börse fort. Weiterhin lastet die Ungewissheit wegen der Debakel um den Hedge-Fund Archegos und die Greensill-Fonds schwer auf den Titeln. Angesichts der drohenden Milliardenverluste wird zunehmend die Kapitaldecke der Grossbank zum Thema.

Am Nachmittag rutschen Credit Suisse unter 10 Fr. Sie schliessen unter dieser Marke auf dem Tagestief von 9.90 Fr. Auf Wochensicht haben die Titel damit schon rund 20% verloren, seit Anfang März gar etwa 24%. Der Verlust seit Ende 2020 beläuft sich auf 12%.

Je nach Ausmass der Milliardenverluste aus den beiden Fonds-Debakeln könnte die Kapitalisierung der CS nicht nur unter die bankeigenen Vorgaben rutschen, sondern sich den behördlichen Mindestwerten annähern, stellt etwa Bank Vontobel-Analyst Andreas Venditti in einer Sensitivitätsanalyse fest. Er senkt das CS-Kursziel klar auf 10.50 von bisher 12 Fr., bleibt aber bei der «Hold»-Empfehlung.

Wird Kapitalerhöhung nötig?

Die UBS (UBSG 13.98 +0.61%) will zwar ihr Kursziel (12.10 Fr.) und ihre Gewinnschätzungen derzeit nicht anpassen. Analyst Daniele Brupbacher empfiehlt aber, vorderhand an der «Seitenlinie» zu bleiben – noch sei völlig unklar, ob mit dem stark getauchten Aktienkurs bereits alles eingepreist sei. Offen seien dabei etwa auch Fragen um Reputationsschäden, den Einfluss auf die anderen Geschäfte der Grossbank oder die Firmenstrategie.

In Frage gestellt sind sicherlich die Aktienrückkäufe von 1,0 bis 1,5 Mrd. Fr., welche die CS für 2021 angekündigt hatte. Mittlerweile wird aber auch ein Ausfall der Dividende für 2020 nicht mehr ausgeschlossen, wie die Online-Publikation «The Market» schreibt. Kapital beschaffen könnte sich die CS zwar etwa durch den Verkauf ihres Asset Managements – zu befürchten sei aber, dass die CS nicht um ein Kapitalerhöhung herumkomme, meint «The Market».

Leverage Ratio in Gefahr

Gemäss einer Analyse von Vontobel-Analyst Venditti könnte die risikogewichtete Kapitalquote im Fall eines Verlustes von bis zu 7 Mrd. Fr. im ungünstigen Fall auf bis auf 10,1% absacken. Die Marke von 10% entspricht dem von der Finanzmarktaufsicht Finma vorgeschriebenen Minimum.

«The Market» sieht derweil den drohenden Engpass bei der ungewichteten «Leverage Ratio», welche das Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme stellt. Diese sei 2020 mit 4,4% zwar klar über dem Minimum von 3,5% gelegen. Dabei habe die CS aber von einer Sonderregelung wegen der Corona-Pandemie profitiert, die 2021 bereits nicht mehr gelte.

Gemäss den Berechnungen von «The Market» könnte sich die CS maximal Verluste von rund 3,6 Mrd. Fr. leisten, um behördlichen Kapitalvorgaben noch zu erfüllen. Alleine im Fall Archegos wird über einen Verlust von 3 bis 4 Mrd. $ gesprochen, teilweise werden sogar höhere Zahlen genannt. Auch im Greensill-Fall könnten Verluste von bis zu 3 Mrd. $ anfallen. Hier ist aber unklar, welcher Anteil auf Fondsanleger entfällt und wieviel die CS tragen wird.

Kreditausblick gesenkt

Auch die Ratingagentur Moody’s senkt den Ausblick für die Ratings der Credit Suisse auf «negativ» von «stabil». Am Vortag hatte schon die Ratingagentur Standard & Poors diesen Schritt getan.  Immerhin bekräftigte S&P aber die Ratings «A+/A-1» für die Credit Suisse AG und andere operative Kerntöchter sowie von «BBB» für die Credit Suisse Group.

Die Senkung des Ausblick folgt auf den Anfang Woche bekannt gewordenen substantiellen Verlust wegen des Zahlungsausfalls eines US-Hedgefonds. Der Vorfall und die Vorkommnisse um Greensill weisen laut der Agentur Moody’s auf «potenzielle Mängel» in der Risikokontrolle oder im Risikobewusstsein hin, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwochabend. Deshalb sei der Ausblick nun nach unten korrigiert worden. Zudem seien die endgültigen finanziellen und reputationsbezogenen Auswirkungen der Ereignisse bislang unklar.

Die Ratings « Aa3» für die Credit Suisse AG sowie von «Baa1» für die Credit Suisse Group AG werden derweil bestätigt. Diese Bestätigung wird mit der tieferen Kostenbasis und einem höheren Rentabilitätspotenzial der Bank begründet. Und das könne auch helfen, Schocks wie jene der letzten Tage zu absorbieren.

Derweil berichtet die Agentur Bloomberg von starken Kursverlusten der CS-Anleihen an den Bond-Märkten, entsprechend habe sich der Risikoaufschlägen für die Anleihen deutlich vergrössert.

Leser-Kommentare

Markus Fischer 31.03.2021 - 16:58
Sollte der Verlust auf diesem Margin Call über eine Milliarde sein, muss das Konsequenzen für die Verantwortlichen im Risikomanagement haben. Dann waren entweder die Kreditvergabe viel zu hoch oder die Sicherheiten viel zu tief oder aber die Handhabung des Margin Calls wurde nicht professionell abgewickelt. In solches Personal kann man als Aktionär kein Vertrauen haben. Allenfalls sollte man sich Gedanken… Weiterlesen »
Arnold Peng 31.03.2021 - 20:12

Hildebrand nein Danke