Meinungen

Credit Suisse – ein Fall von Selbstüberschätzung

CS geht ein Risiko ein und nominiert eine linientreue Chinesin für den Verwaltungsrat.

«Was für Lehren zieht die Bank aus den Problemen rund um russische Oligarchen und Swiss Leaks?»

Keyu Jin verkörpert, was wir an Credit Suisse (CSGN 5.39 -3.68%) bewundern, und gleichzeitig, was wir nicht verstehen. Die vierzigjährige Starökonomin aus China soll in knapp einem Monat in den Verwaltungsrat der Bank gewählt werden. Sie wird dort für eine Frauenmehrheit sorgen. So weit, so gut.

Auf dem Schweizer Finanzplatz löst die Nominierung allerdings ungläubiges Kopfschütteln aus. VR-Präsident Axel Lehmann verspricht den Aktionären in der GV-Einladung eine Bank, «auf die wir alle stolz sein können», und eine «wirksame Risikokultur». Doch es handelt sich bei der zukünftigen CS-Verwaltungsrätin um eine linientreue Vertreterin der chinesischen Führungsschicht. Sie leugnet sowohl die gewaltsame Niederschlagung der Demokratiebewegung in Hongkong als auch die Existenz von Uiguren-Gulags.

Es scheint eine Form von Selbstüberschätzung zu sein, die CS dazu verleitet, sich mit Keyu Jin ein potenziell schwerwiegendes Reputationsproblem aufzuhalsen. Was für Lehren zieht die Bank aus den Problemen rund um russische Oligarchen und Swiss Leaks?

Weder UBS (UBSG 15.21 -2.94%) noch Julius Bär (BAER 43.23 -3.31%), weder Schindler (SCHP 170.05 -2.69%) noch ABB (ABBN 25.21 -1.87%) haben Chinesen im Verwaltungsrat – obwohl China für sie ein Schlüsselmarkt ist.

Credit Suisse scheint die Risiken wieder einmal auszublenden. Keyu Jin werde den Fokus des Verwaltungsrats auf die Wachstumsregion Apac weiter stärken und den Verwaltungsrat enger mit der nächsten Generation und der Fintech-Entwicklung in China verbinden, schreibt sie frohgemut. Die Frage ist aber leider, ob China für die geschwächte Bank in der Vermögensverwaltung überhaupt noch ein Zielmarkt sein kann.

Leser-Kommentare

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Arnoöd Penh 01.04.2022 - 17:42

Es kommt mir vor dass die Redaktion der FUW mit den Wölfen Heult und nur
die USA mit ihren verbrecheriscen Sanktionen gegen die Schweiz und den rest der Welt kennt.

Tobias Schait 02.04.2022 - 15:24

Die unbegründete Arroganz des Westens ist aufzuheben. Wir sind die Guten, alle anderen sind schlecht. Die westlichen Länder sind in einer religiösen Krise, Bogotterie und ideologischer Fanatismus hat Qualität, Grosszügigkeit und Gelassenheit abgelöst. Sehr gut, dass die CS sich nicht vorausleilendem Gehorsam hingibt, sondern eine kompetente, chinesische Frau wählt.

Jean-Pierre Obrecht 19.05.2022 - 17:22
Die beiden ersten Kommentare sind haarsträubend, aber zum Glück für die Autoren herrscht bei uns die Meinungsfreiheit, im Gegensatz zu China. Ich beglückwünsche Frau Hegglin zu ihrem Artikel und würde nur anfügen, dass die Wahl von Frau Jin eine Instinktlosigkeit sondergleichen darstellt, unabhängig davon, ob China nun ein Zielmarkt ist oder nicht. Mit der Wahl von Frau Jin, die eine… Weiterlesen »