Zum Thema: Thiam: «Wir benötigen mehr Kapital»

Credit Suisse ist immer für eine Überraschung gut

Die Grossbank braucht zwar weiteres frisches Kapital. Doch der ursprüngliche Plan, die Schweizer Tochter separat an die Börse zu bringen, scheint seinen Zweck bereits erfüllt zu haben.

Tidjane Thiam hat mit Credit Suisse (CSGN 9.7 -1.8%) drei Probleme: Erstens hat der CEO 2015 eine unterkapitalisierte Bank geerbt. Zweitens war diese Bank zu stark auf das Investment Banking ausgerichtet, das heute nicht mehr kapitaleffizient zu betreiben ist. Drittens hat er das Steuer zwar schnell und beherzt rumgerissen. Dann aber hat er die Messlatte zu hoch gesteckt und oft überraschende Entscheide gefällt, die in Teilen der Bank für Unmut und bei manchem Beobachter für Erstaunen gesorgt haben.

Die im Oktober 2015 verkündeten Ziele mussten bereits zweimal angepasst werden. Im Interview legt Thiam dar, dass er das strategische Ziel, Credit Suisse stärker auf die Vermögensverwaltung auszurichten, nie aus den Augen gelassen habe. Marktverwerfungen hätten ihn gezwungen, den Umbau schneller als ursprünglich geplant voranzutreiben. Dies hat nun eine verwirrende Situation geschaffen: Die Fortschritte im Kernbereich der Bank werden von der Altlastenbewältigung vollständig überlagert. Zwei Milliardenverluste hintereinander sind Ausdruck davon.

Zudem machen es die bisweilen sprunghaft wirkenden Weichenstellungen vielen Investoren schwer, Vertrauen in den neuen Kurs zu fassen: Auch der mit der Strategieankündigung 2015 in Aussicht gestellte separate Börsengang der Schweizer Einheit scheint nun nicht mehr erste Wahl zu sein. Offiziell begründet dies die Bank mit der Einigung im US-Steuerstreit, die Unsicherheiten beseitigt habe. Gleichzeitig ortet Thiam jedoch weiterhin zusätzlichen Kapitalbedarf.

Heute sieht es ganz danach aus, als hätte der IPO-Plan primär in einer Rückversicherung bestanden. Damit konnte man dem Markt zeigen, dass Credit Suisse Zugang zu Kapital hätte. Das diente dazu, eine Nervosität bei Kunden und Investoren zu bannen. Gleichzeitig durfte dieses Kapital aber nicht für die US-Justiz greifbar werden. Denn sonst wäre die Busse im Hypothekenstreit wohl höher ausgefallen. Nach Abschluss des Einigungsverfahrens in den USA kann das Management jetzt alternative Kapitalmassnahmen angehen.

Aufgrund der Aussagen von Thiam im Interview sieht es kaum nach einem Teilbörsengang der Credit Suisse Schweiz aus. Angesichts ihrer weiterhin relativen Kapitalschwäche ist eine Kapitalerhöhung gleichzeitig wahrscheinlicher geworden. Noch will sich Thiam nicht in die Karten blicken lassen. Wie so oft bei Credit Suisse sind Investoren schlicht gezwungen, auf die nächste Weichenstellung zu warten.

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