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Credit Suisse verspricht mehr Qualität zu günstigeren Preisen

Das Preis- und Leistungsangebot in der Vermögensverwaltung wird neu lanciert. Dank dem strukturierten System will Credit Suisse Marktanteile gewinnen.

Nach zwei Jahren Vorarbeit und zähen internen Diskussionen ist es so weit: Die Credit Suisse lanciert ihre Anlageberatung neu.«Für die Kunden wird es günstiger», versprach Christoph Brunner, der Leiter Private & Wealth Management Schweiz, an einer Medienkonferenz. Die Grossbank informiert nun ihre Kunden. Im Verlauf von 2015 sollen sie neue Verträge abschliessen.

Im Gegensatz zur UBS, deren Vermögensverwaltungsangebot betont hochpreisig ist, setzt die – viel kleinere – Credit Suisse auf preisliche Konkurrenzfähigkeit, zumindest was den Schweizer Markt anbelangt. Brunner sprach von einer durchschnittlichen Preisreduktion von 15%. Bei den Fonds setzt die CS auf retrozessionsfreie Produkte. Wo das nicht möglich ist, wird rückerstattet. Eine Erhöhung der Managementgebühr schloss Brunner aus.

Ausgangspunkt der Neulancierung ist die Erkenntnis, dass mit Bonviva ein konkurrenzfähiges Retail-Basispaket mit Zahlungsverkehr und Lohnkonto besteht. Aber die CS «muss im Anlagebereich preislich attraktiver sein», sagte Brunner. Die Preisoffensive soll helfen, die Depotvolumen in der Schweiz binnen fünf Jahren von 60 auf 100 Mrd. Fr. zu steigern (wobei diese Zahlen ohne die Assets der Ultrareichen gerechnet sind). Hans-Ulrich Meister, der Leiter von CS Private Banking & Wealth Management und CEO Schweiz, rechnet mit signifikanten Vermögenszuflüssen und Ertragssteigerungen dank aktiver handelnden Kunden.

Für Beratung zahlen

Die neuen Preismodelle der Banken entspringen dem Wunsch, den Kunden für die Beratungstätigkeit bezahlen zu lassen. Ähnlich wie die UBS lässt die CS ihre Kunden je nach gewünschter Beratungsintensität aus verschiedenen Modellen wählen. Im Gegensatz zur UBS, die in der Anlageberatung eine Serie von Flat-Fee-Lösungen bietet, setzt die Credit Suisse zukünftig auf das Trio Depotgebühr, Transaktionsgebühr und Anlagegebühr. Während die ersten beiden Komponenten deutlich billiger werden, stellt die Anlagegebühr eine neu eingeführte Rechnung für Beratungsleistungen dar.

Gemäss Meister geht es um mehr als alte Gebühren mit neuen Etiketten. Der herkömmliche Depotvertrag hat ausgedient. An seine Stelle tritt ein «vertragliches Leistungsversprechen». Dieses definiert, wie viel Beratung ein Kunde von der Credit Suisse bekommt. Die Kunden können aus vier verschiedenen Anlagelösungen wählen, die sich jeweils in Bezug auf die gewünschte Betreuungsintensität, die Intensität der Portfolioüberwachung und bezüglich Zugang zu Anlageideen unterscheiden.

Berater müssen umdenken

Die unter dem Namen «Credit Suisse Invest» segelnde Neulancierung ist gemäss Meister viel mehr als ein neues Preismodell. «Wir vollziehen die grösste Transformation der letzten Jahre», erklärte er. Die Kundenberater müssten die alten Verhaltensmuster ablegen.

Im Prinzip geht es der Grossbank darum, das unternehmensweit vorhandene Know-how an den Mann (den Kunden) zu bringen und zu diesem Zweck den Beratungsprozess und das Angebot viel stärker zu strukturieren.

Der Kunde, der die Basisdienstleistung (Compact) erhält, führt einmal pro Jahr ein Beratungsgespräch und erhält halbjährlich einen Vermögensausweis. Steuerausweise sind offenbar separat zu bezahlen. Kunden ausserhalb des Retail-Segments wählen vielleicht das Partner-Modell, das ihnen laufend Hinweise zur Portfolioqualität verspricht, dazu vierteljährliche Vermögensausweise und einen kostenlosen Steuerausweis. Anspruchsvollere Kunden haben zusätzlich zum Kundenberater Zugang zu spezialisierten Investment Consultants.

Strukturierter Prozess

Dieses Kundensegment soll viel intensiver und spezialisierter betreut werden und quasi täglich ein Update zu Märkten und Tradingideen erhalten. Stolz präsentierte die CS in diesem Zusammenhang eine eigens entwickelte Applikation für Tablets. Sie erleichtere die Kommunikation mit dem Kunden, mache die Beratung attraktiver, strukturierter und konsistenter und vermindere zusätzlich die Vorbereitungszeit für den Kundenberater, so die CS-Verantwortlichen. Digitale Tools sind auch die Antwort auf Haftungsfragen, die sich in der Anlageberatung zunehmend stellen. Die elektronische Dokumentation der Investmentprozesse macht es leichter, die Kundenberater zu kontrollieren und eine einheitliche Vorgehensweise sicherzustellen.

Wer das Anlegen delegieren möchte, kann von der CS weiterhin eine Mandatslösung bestellen, erklärte Michael Strobaeck, der Chief Investment Officer. Auch hier gibt es ein neues Produktangebot mit neuen Preisen.

Der Schlüsselbegriff über allen Neuerungen heisst «strukturierter Prozess». Er fängt bei einer globalen und zentralisierten Hausmeinung über Investitionen an und zieht sich über den Beratungsprozess in die Portfolioanalyse weiter. Eingeführt werden die neuen Produkte und Preise 2015 in der Schweiz und für Kunden in Westeuropa.

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