Das Grinsen, die Brille sagen es: Pakistan siegt. Das war vor gut zwei Monaten in einem Cricket-Test in Leeds, England. Dieses sonderbare Spiel – Gentlemen in gediegenem Weiss posieren auf einem getrimmten Rasen, rennen urplötzlich durcheinander und gehen dann Tee trinken – ist auf dem ganzen Subkontinent ungeheuer beliebt; es gibt TV-Stationen, die nichts anderes senden. Pakistans Premierminister Imran Khan war einst ein Cricketstar, Captain des Nationalteams. Die englische Sprache und der Sport mit Bat, Ball und Wicket sind die dauerhaftesten Hinterlassenschaften der Kolonialherren im gigantischen Herrschaftsbereich von British India. Dazu gehörte Afghanistan nicht wirklich. Cricket wurde dort erst in den 1990er Jahren bekannt, als es Rückkehrer aus Flüchtlingslagern in Pakistan in die alte Heimat brachten. Die Taliban verboten dann während ihrer ersten Herrschaft dieses aus ihrer Sicht wohl dekadente Hobby. Nun, nach der abermaligen Machtübernahme, scheinen die frommen Krieger Cricket zu dulden – mit dem grossen, einflussreichen, eng verbundenen Nachbarn Pakistan will man es sich nicht verderben. Kommt dazu: Imran Khan ist Paschtune, wie die meisten Taliban-Mullahs auch. (AP Photo/Rui Vieira)