Zwei Dinge halten die beinahe 1,4 Milliarden Menschen im riesigen Indien zusammen, über Völker, Bundesstaaten und Kasten hinweg: die englische Sprache – in eigenwilliger subkontinentaler Intonation – und Cricket. Das sind sogar Gemeinsamkeiten mit dem verfeindeten Nachbarn Pakistan. Die Krönung des Cricket ist ein «Test», wie der für Kontinentaleuropäer rätselhafte Rasenreigen genannt wird, am besten gleich im grössten Cricketstadion der Welt: Es steht in Ahmedabad, einer Sechs-Millionen-Stadt im Nordwesten, zählt 132 000 (!) Sitze und ist benannt nach dem seit sieben Jahren amtierenden Premierminister Narendra Modi. Der hat gegenwärtig freilich andere Sorgen als solche Selbstglorifizierung zu Lebzeiten (bereits die früher allmächtige Nehru-Gandhi-Dynastie pflegte die Unsitte, zahllose Schulen, Strassen, Häfen, Plätze, Spitäler auf sich taufen zu lassen). Die täglich neu gemeldeten Covidkranken nämlich füllten rein rechnerisch drei solche Stadien. Das naturgemäss nicht erstklassige Gesundheitswesen des Schwellenlands ist heillos überlastet, die Behörden wirken überfordert, Indiens Wirtschaft schrumpft – es wird gewitzelt, das einzige derzeit feststellbare Wachstum sei dasjenige von Modis Bart. (Bild: AP Photo/Aijaz Rahi)