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CS-Aktionäre lehnen Décharge-Erteilung ab

Die Aktionäre lehnen die nachträgliche Entlastung der Konzernleitung für das Geschäftsjahr 2020 ab.

(AWP) Die Aktionärinnen und Aktionäre der Credit Suisse (CSGN 5.48 +1.78%) haben dem Bankmanagement an der Generalversammlung einen Denkzettel verpasst. Sie lehnten es ab, Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung der angeschlagenen Bank nachträglich die Entlastung für das vorletzte Geschäftsjahr 2020 zu erteilen. Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann und die zur Wahl angetretenen VR-Kandidaten wurden aber deutlich ins Amt gewählt.

Die CS-Generalversammlung, die am Freitag ohne Präsenz von Aktionären durchgeführt wurde, lehnte die Entlastung des Managements für das Jahr 2020 mit knapp 60% Nein-Stimmen ab. Die Abstimmung war deshalb notwendig, weil die Décharge-Erteilung an der Generalversammlung des vorigen Jahres unter dem Eindruck der Grosspannen um den Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds gar nicht erst traktandiert worden war.

Probleme bei Risikokontrolle

In den vergangenen Woche hatten verschiedene Aktionärsgruppen, darunter die Aktionärsvereinigung Ethos und die einflussreichen angelsächsischen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis, gegen die Erteilung der Entlastung für 2020 aufgerufen. Sie begründeten dies mit den massiven Problemen im Risiko- und Kontrollbereich. Bei einer Entlastung könnten Verwaltungsrat und Management nicht mehr dafür verantwortlich gemacht werden.

Gutgeheissen wurde dagegen die Entlastung für das Jahr 2021, dies mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 77,5%. Allerdings waren dabei ausdrücklich alle Themen mit Bezug auf die Greensill-Fonds ausgeklammert. Auch ISS und Glass Lewis hatten sich in diesem Punkt hinter den Verwaltungsrat gestellt: 2021 sei es zu «Personalauffrischungen» und zu Fortschritten bezüglich der Risikokontrolle gekommen.

Keine Sonderprüfung

Einen Antrag auf eine Sonderprüfung rund um das Greensill-Debakel und zu den medialen Enthüllungen der «Suisse Secrets» lehnten die Aktionäre mit klaren Mehrheiten ab — knapp 89% stimmten dagegen. Eingereicht hatte den Antrag die Anlagestiftung Ethos.

Präsident Lehmann hatte sich gegen den Antrag gewehrt und darauf verwiesen, dass eine solche Prüfung hohe Kosten und Mehrfachaufwände verursache. Die Grossbank habe zudem einen Fragenkatalog von Ethos zu der Angelegenheit «in gutem Glauben beantwortet», betonte er an der Veranstaltung.

Zustimmung für Lehmann

Der CS-Präsident konnte sich zudem über eine hohe Zustimmung für seine Person freuen: 95,3% der Aktionäre wählten ihn. Lehmann hatte das Präsidium bei der CS im Januar 2022 übernommen, nachdem sein Vorgänger António Horta-Osório nach nur gut acht Monaten wegen Corona-Verstössen zurücktrat. Lehmann sitzt erst seit vergangenem Oktober im CS-Verwaltungsrat.

Auch alle anderen erneut angetreten oder neu kandidierenden Verwaltungsräte schafften die Wahl meist deutlich. Zustimmungsraten von mehr als 80% gab es auch zu den Vergütungen des Bankmanagements, auch wenn einzelne Aktionäre in schriftlich eingereichten Voten die Boni-Verteilung angesichts der hohen Verluste kritisierten.

Glücklos blieb ein weiterer Aktionärsantrag von Ethos und weiteren Gruppen betreffend Klimastrategie. Der Antrag verlangte, dass die Grossbank sich in ihren Statuten zum Pariser Klimaabkommen bekennen muss. Zudem wurden darin detailliertere Angaben gefordert, wie die CS ihre Exponierung in fossilen Energien reduzieren will. 77% der Aktionäre lehnten den Antrag ab.

Weg aus dem Formtief

Lehmann wie auch CS-CEO Thomas Gottstein zeigten sich vor den Aktionären überzeugt, dass die schwer angeschlagene Bank nun auf dem richtigen Weg sei. Mit den Neuwahlen in den Verwaltungsrat und den Veränderungen in der Geschäftsleitung sei das Führungsteam «nachhaltig umgestaltet und gestärkt» worden.

«Ja, die Bank ist in einem Formtief und wir brauchen fundamentale Veränderungen», räumte der Präsident ein. Er stellte ein «noch systematischeres und noch präsenteres Risikomanagement und Risikomonitoring» in Aussicht. Gleichzeitig wolle er aber auch eine «Kultur der Offenheit» erreichen, in der sich alle einbrächten.

Die Credit Suisse erlebt seit über einem Jahr eine Serie von Pleiten und Pannen. So hatte sie im vergangenen Jahr wegen des Zusammenbruchs des Hedgefonds Archegos einen Milliardenverlust erlitten. Hinzu kam die Liquidierung der mit Greensill Capital betriebenen Lieferketten-Finanzierungsfonds, bei denen Investoren weiter Verluste in Milliardenhöhe drohen. Ins Jahr 2022 ist die Bank wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten erneut mit einem hohen Quartalsverlust gestartet.

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