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Credit-Suisse-Starbanker Imran Khan wechselt zu Snapchat

Der Messaging-Dienst Snapchat wirbt erfahrene Manager an. Der bangladeschische Top-Banker Khan wird direkt an den 24-jährigen Gründer des Start-ups berichten.

Ruedi Keller und Thorsten Riedl

Imran Khan führte Credit Suisse (CSGN 9.792 -2.42%) zurück an die Spitze bei der Beratung von Börsengängen im Technologiebereich. Jetzt ist er weg. Der Star-Banker Imran Khan wird Chefstratege bei Snapchat, bestätigte eine Sprecherin der amerikanischen Social-Media-Plattform gegenüber dem «Wall Street Journal».

Gefeiert wurde der 37-jährige Bangladescher bei der Credit Suisse zuletzt für seine zentrale Rolle beim Börsengang des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba (BABA 272.41 -1.2%). Über 50 Mio. $ an Fees soll das prestigereiche Projekt der Schweizer Grossbank angeblich eingebracht haben.

Bereits um die Nullerjahre war Credit Suisse die Top-Adresse für Deals im Internet-Sektor. Mit dem Platzen der damaligen Blase verliessen die Topshots allerdings die Bank. Als der Boom in den letzten Jahren wieder losging, hatte Credit Suisse auf dem Gebiet den Anschluss an die Wallstreet-Häuser verloren. Mit dem gut vernetzten Khan, geholt haben ihn die Schweizer im Frühjahr 2011 von J. P. Morgan, hat sich Credit Suisse wieder eine Spitzenposition zurückerobert – besonders asiatische Tech-Firmen waren die Spezialität ihres neuen Rainmakers. Er verhalf Credit Suisse zu Tickets bei den Börsengängen der chinesischen Social Media Platform Weibo (WB 36.78 2.48%) und des Online-Kosmetik-Retailers Jumei. Jetzt verlässt er die Bank – möglicherweise auf dem Höhepunkt der laufenden Welle.

Gefragte Erfahrung

Als Strategiechef von Snapchat wird Khan gemäss «Wall Street Journal» direkt an den 24-jährigen CEO Evan Spiegel rapportieren. Dieser wolle die frei erhältliche App zu einem profitablen Geschäft weiterentwickeln. Erste Werbeverträge wurden in den letzten Wochen bereits mit Samsung (SMSN 1269 -0.94%) und Universal Pictures abgeschlossen. Snapchat wolle nun von der Erfahrung Khans als Dealmaker und angesehenem Analysten von Internet-Aktien profitieren, hiess es weiter.

In jüngster Vergangenheit hat Snapchat sein Management bereits prominent verstärkt: Zwei ehemalige Facebook-Manager holte der Messenger-Dienst letztes Jahr an Bord. Anfang Jahr kam ein Google-Mann, der allerdings bereits wieder zu Oracle (ORCL 59.75 -0.71%) weitergezogen ist. Offenbar ist Snapchat derzeit zudem auf der Suche nach einem ersten Finanzchef.

Snapchat ist eine von unzählig vielen Messenger-Apps, um kurze Mitteilungen vom Smartphone zu versenden. Das Programm besitzt allerdings ein Alleinstellungsmerkmal: Via Snapchat lassen sich Bilder aufnehmen und verschicken, die beim Empfänger nur eine gewisse Zeit sichtbar sind. Anschliessend löscht die App die Fotos selbstständig. Das Unternehmen wurde vor gerade einmal drei Jahren gegründet. Im Herbst vergangenen Jahres gingen schon 350 Mio. Nachrichten über das Netz – täglich.

Strategische Gratwanderung

Derzeit soll das Volumen bereits die Marke von 500 Mio. übersteigen. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt im Moment bei mehr als 100 Mio. Snapchat selbst teilt keine genauen Zahlen mit.

Bekanntheit hat Snapchat auch erlangt, nachdem die Gründer vergangenes Jahr ein Kaufangebot von Facebook (FB 252.53 -0.9%) für 3 Mrd. $ abgelehnt hatten. Kurze Zeit später schnappte sich das weltweit führende Netz WhatsApp für 19 Mrd. $. In der jüngsten Bewertungsrunde vom Sommer wurde Snapchat nun auf 10 Mrd. $ taxiert. Der Start-up-Financier Kleiner Perkins beteiligte sich mit 0,2% an Snapchat und zahlte dafür 20 Mio. $. Seit diesem Herbst können sich die Snapchat-Nutzer auch Geld überweisen, vorerst nur in den USA. Das macht die App für eine ganz neue Klientel interessant: Amateur-Pornodarsteller. Diese fordern Geld und senden dann Nacktbilder von sich. Dem Ansehen von Snapchat schadet das.