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CS-CEO Thiam umgarnt ultrareiche Asiaten

Der Chef der Grossbank ist vorsichtig optimistisch für das zweite Quartal. Ob 2019 die angepeilte Eigenkapitalrendite von 10% erreicht wird, bleibt abzuwarten.

Credit Suisse (CSGN 11.34 1.48%) sei weiterhin vorsichtig optimistisch, was das Geschäft im zweiten Quartal anbelange. Das sagt der CEO der Grossbank, Tidjane Thiam, am Donnerstag an einer Konferenz von Goldman Sachs in Paris. Man müsse allerdings noch den wichtigen Juni abwarten. Am Vormittag sagte bereits UBS-Chef Sergio Ermotti an derselben Konferenz, das Geschäft habe sich gegenüber dem schlechten ersten Quartal verbessert.

Thiam erklärte, in einem normalen Umfeld müsste eine Eigenkapitalrendite von 10% erreicht werden. Dieser Wert gilt gemeinhin als wertschaffend für eine Grossbank. Ermotti sagte allerdings, das Umfeld sei nach wie vor «fragil». Die starke Entwicklung des Vorjahreszeitraums wurde anscheinend auch im zweiten Quartal nicht erreicht.

«Reiche werden reicher»

Dennoch gelang es beiden Banken, im ersten Quartal viel Nettoneugeld anzuziehen. Unter anderem in Asien, wo UBS und Credit Suisse heute schon zu den grössten Vermögensverwaltern gehören. Thiam sagte, die Bank lege einen besonderen Fokus auf die sogenannten Ultra High Net Worth Clients, das sind Kunden mit einem Vermögen von 50 Mio. $ aufwärts. In China hat Credit Suisse nach UBS nun zum ersten Mal die Mehrheit an einem Banken-Joint-Venture übernommen.

Es sei am profitabelsten für seine Bank, die Beziehungen zu diesen Kunden zu vertiefen. Sie seien oft gleichzeitig Unternehmer und brauchten nicht nur private Vermögensverwaltung, sondern auch Kredite und Kapitalmarktdienstleistungen aus der Investmentbank der Credit Suisse. Diese umfassende Betreuung binde die Kundschaft stark an die Bank und verhindere den Abfluss von Geldern. Und da die «Reichen immer reicher» werden, wächst die Bank allein schon automatisch mit ihren Kunden.

Genau für die umfassende Betreuung der ultrareichen Kundschaft brauche es das Setup einer Universalbank. Credit Suisse ist damit laut Thiam jedem reinen Vermögensverwalter – z.B. Julius Bär (BAER 38.8 1.23%) – langfristig überlegen. Die Investmentbank der Credit Suisse habe nach der Verkleinerung mittlerweile die ideale Grösse dafür. Über das bankinterne Joint Venture zwischen Vermögensverwaltung und Investmentbank namens ITS würden die Private-Banking-Kunden mit mundgerechten Produkten versorgt.

Bussen als grösster Wertvernichter

Der grösste Wertvernichter innerhalb der Bank sind laut Thiam in den vergangenen Jahren Strafzahlungen für vergangene Verfehlungen gewesen. Um zukünftige Verfehlungen auf ein Minimum zu reduzieren, habe man mittlerweile die Compliance substanziell aufgestockt und automatisiert: «Wir können heute Probleme schnell erkennen und entschlossener angehen als je zuvor.»

Zukäufe würden eine untergeordnete Rolle spielen. Falls der Bank daraus in einem Fokusmarkt ein entscheidender Vorteil entstehe, würde man es sich überlegen. Europa sei zwar reif für die Konsolidierung des Bankensektors, doch die Behörden würden grössere Banken aufgrund der vergangenen Krise weiterhin scheuen. «Nicht alles, was Wert schaffen würde, erscheint heute realistisch», sagte Thiam.

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