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Geschasster CS-COO noch bei SIX

Bei Credit Suisse musste Pierre-Olivier Bouée wegen der Beschattung von Ex-Manager Iqbal Khan gehen. Bei der Börse könnte er ebenfalls bald aus dem Verwaltungsrat ausscheiden.

Bei Credit Suisse (CS) wurde Pierre-Olivier Bouée vergangene Woche per sofort gegangen. Bei der Schweizer Börsenbetreiberin SIX sitzt der ehemalige operative Leiter (Chief Operating Officer, COO) der Grossbank aber weiterhin im Verwaltungsrat (VR).

Nach Informationen von «Finanz und Wirtschaft» könnte Bouée aber nicht bis zur SIX-Generalversammlung (GV) 2020 bleiben. Er hat seine Teilnahme an allen kommenden Sitzungen abgesagt, ein Rücktrittsschreiben zuhanden von VR-Präsident Romeo Lacher könnte in Arbeit sein.

SIX teilt auf Anfrage lediglich mit, die Besetzung des Gremiums habe weiter Gültigkeit. Wie FuW erfahren hat, will der VR das Mitglied Bouée aber nicht mehr länger. CS kommentiert die Angelegenheit nicht. Die Grossbank könnte Bouée allerdings zum Rücktritt aus dem VR auffordern, wie sie es bereits vergangene Woche aus der CS-Geschäftsleitung getan hat. Sein Nachfolger als COO, James Walker, könnte ihn auch im SIX-VR ersetzen.

Zuletzt könnte noch die Finanzmarktaufsicht (Finma) eingreifen und die Absetzung von VR-Mitgliedern fordern, falls sie sie für nicht mehr geeignet hält. Ob ein solches Gewährverfahren gegen Bouée läuft, verrät die Finma nicht. Bouée ist erst dieses Jahr ins Gremium gewählt worden. Neben UBS ist CS die grösste SIX-Aktionärin.

Auf eigene Faust

Bouée ist ein enger Vertrauter von CS-CEO Tidjane Thiam, kam mit ihm zusammen 2015 vom britischen Versicherungsriesen Prudential, wo er unter anderem Stabschef seines französischen Landsmannes war. Vorvergangenen Dienstag teilte CS VR-Präsident Urs Rohner vor den Medien mit, Bouée habe die Bank per sofort verlassen. Er habe eigenmächtig und ohne Wissen von Geschäftsleitung und VR die Beschattung von Ex-Manager Iqbal Khan angeordnet, der Anfang Oktober zur Konkurrentin UBS gewechselt ist.

Rohner und der CS-VR stützen sich dabei auf eine interne Untersuchung durch die Kanzlei Homburger. Der Bericht dazu lässt allerdings auch einige Fragen offen, die die Bank nicht beantwortet. Rohner entschuldigte sich jedoch für den Vorfall bei Khan, Bankmitarbeitern und -kunden sowie Aktionären. Bankchef Thiam schweigt hingegen zum Fehlverhalten seines geschassten Intimus.

Über Bouées ausstehende Gehälter und Boni bei CS werde der Vergütungsausschuss entscheiden, sagte Rohner. Gemäss dem Präsidenten wird Bouée sicher keine Abgangsentschädigung erhalten. Es ist eine beträchtliche Summe, auf die er jetzt verzichten muss. Für 2018 erhielten die elf Geschäftsleitungsmitglieder der CS (ohne CEO) im Schnitt über 7 Mio. Fr. Gesamtvergütung. Bankchef Thiam bekam insgesamt 12,7 Mio. Fr.

SIX lässt Transparenz missen

Was Bouée bei SIX verdient hat, sagt die Bör­senbetreiberin nicht. Den Transparenzregeln, die für die Gesellschaften gelten, die an der Schweizer Börse kotiert sind, unterwirft sich das Privatunternehmen SIX selbst nicht. In globo haben VR und die Konzernleitung 2018 zusammen 13,5 Mio. Fr. verdient – etwas mehr als der CS-CEO allein.

Neben Thiam-Freund Bouée scheidet 2020 übrigens auch SIX-Präsident Romeo Lacher aus dem Gremium aus. Lacher, der ebenfalls einst bei CS angestellt war und pikanterweise eng mit Bouées Beschattungsopfer Khan zusammenarbeitete, ist seit diesem Jahr Präsident der Privatbank Julius Bär. Dem Vernehmen nach ist die Suche nach einem neuen SIX-VR-Präsidenten in vollem Gange, in- und externe Kandidaten sollen geprüft werden. Zumindest einer wird es wohl nicht werden: Pierre-Olivier Bouée.

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