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CS-Experte: Trend geht zu Parität Euro-Franken

Die Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro dürfte gemäss Studie der Credit Suisse für einige Branchen zu Problemen führen.

(AWP) Der Franken wird gegenüber dem Euro tendenziell wieder aufwerten. Über kurz oder lang dürfte das Währungspaar Parität erlangen, erwarten die Experten der Credit Suisse (CSGN 12.175 0.29%). Das dürfte eine Reihe von Branchen erneut vor Probleme stellen.

Während dies beispielsweise die Pharmaindustrie vor keine Schwierigkeiten stellen sollte, dürfte es etwa bei der Nahrungsmittelindustrie deswegen zu weiteren Verlagerungen der Tätigkeit ins Ausland kommen, wie dem am Dienstag von der Credit Suisse veröffentlichten Monitor Schweiz zu entnehmen ist.

Derzeit notiere das Währungspaar Euro-Franken deutlich unter dem Kurs von 1,20, den die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5240 -0.38%)) bis Anfang 2015 massiv verteidigte, sagte Claude Maurer von der Credit Suisse an der Präsentation der Studie.

Für einige Industriebranchen sei der Franken auf dem gegenwärtigen Niveau «zu teuer», führte der Leiter Konjunkturanalyse weiter aus. Die Schweizer Währungshüter werde deshalb weiter am Devisenmarkt punktuell intervenieren, um eine allzu starke Aufwertung des Frankens zum Euro zu verhindern.

Parität in fünf Jahren

Allerdings müsse sich die Schweizer Wirtschaft darauf einstellen, dass das Währungspaar irgendwann Parität erreichen werde. «Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie rasch sich die Parität einstellt», zeigte sich Maurer überzeugt. Zeitlich ortet er diesen Punkt in einem Horizont von fünf Jahren an.

Insgesamt habe die Schweizer Wirtschaft – nach einem Schock nach der Aufgabe des Mindestkurses – immer besser gelernt, mit der näher rückenden Parität umzugehen und habe ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert, erklärte Maurer. Allerdings seien die Branchen unterschiedliche darauf vorbereitet.

Vor die geringsten Schwierigkeiten gestellt sieht die Credit Suisse die Branchen Pharma, Uhren und Finanzdienstleistungen. Diese sind global aufgestellt und weniger einseitig auf den Euroraum fokussiert, als andere Branche. Zudem verfügen sie über eine starke Marktstellung und damit über Preissetzungsmacht.

Auch für die Schweizer Maschinenbauer sehen die Perspektiven vergleichsweise gut aus. Zwar sind diese gemäss den Ökonomen nach wie vor mit einer Überbewertung konfrontiert, ihre Preissetzungsmacht ist aber relativ hoch. Zudem sind sie global gut diversifiziert. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so positiv, sieht die Ausgangslage gemäss der CS für die Elektrotechnik aus.

Rettung in Nischenprodukten

Am schwierigsten präsentiert sich die Lage für Teile der Nahrungsmittel-, Textil-, Fahrzeug- und Lebensmittelindustrie sowie generell für die Branchen Papier und Kunststoff. Hier ist entweder die Preissetzungsmacht gering, die Überbewertung hoch oder der Euroraum dominant – oder es ist sogar eine Kombination mehrerer dieser Faktoren zu finden.

In diesen Branchen ist deshalb gemäss Andreas Gerber, Leiter KMU Geschäft, auch eine weitere Verlagerung der Tätigkeit ins Ausland zu erwarten. «Es sei denn, sie können die Auswirkungen des preislichen Wettbewerbs ausgleichen, indem sie weniger preissensible Nischenprodukte entwickeln und damit ihre Marktposition verbessern», sagte Gerber.

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