Unternehmen / Finanz

CS greift wieder zum Rotstift

Während sich London noch vom UBS-Schock erholen muss, will auch die andere Schweizer Grossbank im Rahmen ihres Kostensparprogramms in Grossbritannien 100 Stellen streichen.

Die Credit Suisse (Credit Suisse 7.562 -5.47%) (CS) soll rund hundert Stellen im Investment Banking in Grossbritannien abbauen wollen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Die Arbeitsplätze sollen in den Bereichen Aktien und Beratung wegfallen. Auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» hiess es bei der Medienstelle der CS, es handle sich um einen Teil der Umsetzung des bereits bekannten Sparziels.

Anfang November hatte UBS (UBSG 8.632 -4.58%) die Investment-Banking-Szene geschockt mit der Ankündigung, aus wesentlichen Teilen des Investment Banking auszusteigen. Insbesondere in London befürchtet man seither ein Blutbad. Zu reden gab trotz der rauen Kündigungskultur in London die Freistellung von ebenfalls hundert Mitarbeitern, die wenige Tage nach dem UBS-Entscheid nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz vorgelassen wurden. Britische Medien spekulierten, bis zu 3000 Stellen könnten verloren gehen, die Hälfte aller UBS-Angestellten in Grossbritannien.

Kostendruck bleibt bestehen

Mitte Monat war CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in Sachen Personalbbau vage geblieben. Man werde auch in Zukunft sehr genau schauen, wie viele Leute man benötige. Kurz davor waren in der Schweiz 300 Stellen gestrichen worden. Die personalintensiven Sparten für Schweizer Kleinkunden und die inländische Vermögensverwaltung für Wohlhabende sollen zusammengefasst werden. Vergangene Woche hatte die Grossbank angekündigt, konzernweit mehrere Divisionen zusammenzulegen und die regionale Führungsstruktur zu ändern. Dabei kapselt sie das Schweizer vom US-Geschäft ab, das Investment Banking bleibt bestehen. CS hält im Gegensatz zu Konkurrentin UBS am vollständig integrierten Bankmodell aus Investment und Private Banking fest.

Den Angaben der Nachrichtenagentur zufolge ist das Projekt der Credit Suisse noch vertraulich; die Betroffenen seien jedoch vergangene Woche informiert worden. Eine der informierten Personen sagte zudem, dass es auch ausserhalb von Grossbritannien weitere Stellenstreichungen geben könne.

Lichter aus im Glamour Banking?

Investmentbanken sind nicht mehr profitabel genug, seit die gestiegenen Kapitalanforderungen der Regulatoren die wahren Kosten des Geschäfts spürbar oder zumindest absehbar gemacht haben. «Ausser in Emerging Markets gibt es kein strukturelles Wachstum, also müssen Investmentbanken effizienter produzieren», sagte Markus Böhme von Roland Berger Strategy Consultants vor rund zwei Wochen. Das Beratungsunternehmen legte einen Bericht vor, der einen tiefgreifenden Wandel der Branche voraussagt.

40’000 Stellen werde der Umbau in der Branche kosten. Von allen möglichen Massnahmen, um bei höheren Eigenkapitalquoten eine Rendite von 12 bis 15% zu erreichen, ist für Roland Berger der Kostenabbau am wirkungsvollsten. Der Fokus auf die Kosten ist in der Branche des Glamour Banking etwas Neues.