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Credit Suisse hat mit Archegos 2020 nur 16 Mio. Fr. Ertrag erzielt

Die geringen Einnahmen werfen mehr Fragen zur Geschäfts- und Risikostrategie auf.

(AWP) Die Credit Suisse (CSGN 9.23 +1.81%) hat mit dem zusammengebrochenen Hedgefonds Archegos trotz der hohen Risiken, die sie damit eingegangen ist, offenbar nur mickrige Erträge erzielt. 2020 soll Archegos der CS gerade einmal 16 Mio. Fr. eingebracht haben, wie die Financial Times unter Berufung auf Personen mit Kenntnis zu Geschäftsbeziehung am Montag berichtete. Der Zusammenbruch von Archegos belastete das Ergebnis der Grossbank allein im ersten Quartal bekanntlich mit 4,4 Mrd. Fr., im zweiten Quartal kommen nochmals 0,6 Mrd. dazu.

Die geringe Höhe der Gebühren und das hohe Risiko hätten beim Verwaltungsrat und dem Management Besorgnis ausgelöst, sagten zwei Personen, die die Vorgänge untersuchen, gegenüber der FT. Für die Geschäftsleitung sei insbesondere der Umstand alarmierend gewesen, dass der Archegos-Manager Bill Hwang kein Private-Banking-Kunde der Gruppe war. Das deute darauf hin, dass es wenig Anreiz gegeben habe, sein Prime-Brokerage-Geschäft zu verfolgen, heisst es weiter.

Die Credit Suisse habe auch nur eine Marge von 10% für die Aktien-Swaps verlangt, die sie mit Archegos handelte, und habe dem Hedegefonds eine 10-fache Hebelwirkung bei einigen Transaktionen erlaubt. Das sei etwa das Doppelte der Hebelwirkung, die Goldman Sachs (GS 358.65 -0.35%) bot, heisst es weiter.

Der Hedgefonds Archegos lieh sich bekanntlich von mindestens neun globalen Banken Dutzende von Milliarden Dollar, um auf volatile Aktien zu spekulieren. Die Kreditgeber haben zusammen mehr als 10 Mrd. $ beim Zusammenbruch von Archegos verloren.

Leser-Kommentare

Markus Fischer 03.05.2021 - 10:16
Zeigt deutlich den falschen Anreiz auf, als Angestellte ein grosses Risiko einzugehen um möglichst viel Bonus abzukassieren! Wenn es dann schief läuft wird der Schaden hauptsächlich auf die Eigentümer / Aktionäre abgewälzt wie es die letzten 10 Jahre immer der Fall war, ohne dass der Bonuspool gross darunter leidet. So könnte keine KMU wirtschaften, wäre längst bankrott. Ex VRP Rohner… Weiterlesen »
fhaslinger64 03.05.2021 - 13:04

Einen “Lombardkredit” mit 90%-iger Belehnung!?!? Das gesamte Management inkl. VR ist unfaehig, eine Bank zu fuehren! Ebenso stellen sich Fragen fuer die FINMA! Wie kann es sein, dass solche Engagements nicht von der FINMA ueberprueft werden?

Andreas Koller 03.05.2021 - 18:28

Eine Belehnung von 90% würde einem Hebel von 1.9 entsprechen. Hier wird aber von einem Hebel von 10 gesprochen, was einer Belehnung von 900% entspricht.

Arthur Fuchs-Danner 03.05.2021 - 14:36
Wenn in die Verwaltungsräte von CS, UBS, Raiffeisenbank, nur Kopfnicker gewählt werden, könnten doch auch nur Mehlsäcke in den VR gewählt werden. Die sind billiger… Rohner hat bei den letzten zwei CEO’s schon deren Strategie als Heil bringend nachgeplappert – bis diese scheiterten. Hat Rohner eine Ahnung vom komplexen Bank-Geschäft oder nur von Vergütungs-Regulatorien? Und: schämen sich die Absahner nicht?… Weiterlesen »