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CS-Ökonomen warnen vor zu viel Pessimismus

Die Coronaviruskrise wird der Schweizer Wirtschaft arg zusetzen. Danach besteht für die Wirtschaft laut Ökonomen der Credit Suisse Nachholbedarf.

(AWP) Die Ökonomen der Grossbank Credit Suisse (Credit Suisse 8.322 3.35%) sind trotz Coronavirus vergleichsweise optimistisch für die Schweizer Wirtschaft. Denn nach der Krise werden die Konsumenten Anschaffungen nachholen, und die Unternehmen werden wieder in Maschinen und Anlagen investieren.

Mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 0,5% in 2020 bewegt sich die CS am oberen Ende der Bandbreite. Andere Ökonomen hatten ihre Prognosen in den letzten Tagen drastischer zurückgenommen: Die UBS (UBSG 9.494 2.82%) (-3,0%), BAK Economics (-2,5%) oder das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco (-1,3%) rechnen mit deutlicheren BIP-Rückgängen.

Doch die Prognosen der CS sind nicht in Stein gemeisselt – zu schnell verändert sich die Lage tagtäglich. Es fehle an Erfahrungswerten für eine solche Krise. «Wir haben alle bisher verwendeten Modelle ausgeschaltet», sagte Claude Maurer, Leiter der Konjunkturanalyse Schweiz, am Dienstag an einer Telefonkonferenz.

Die nächste Abwärtsrevision zeichnet sich auch schon ab: Da die olympischen Sommerspiele in Tokio definitiv abgesagt werden, fallen Lizenzeinnahmen weg. Nun liegt die Prognose bei rund -1%. Maurer riet davon ab, heute Zahlen bis auf die letzte Kommastelle zu analysieren.

«Alle Prognosen sind derzeit höchst unsicher», fasste Oliver Adler das Urteil der CS zusammen, der Chefökonom Schweiz bei der Grossbank. Er riet aber, nicht zu pessimistisch zu sein.

Konsum schrumpft – und fliesst ab

Denn flaue die Corona-Krise erst einmal ab, würden Konsumenten zumindest einen Teil des verpassten Konsums nachholen und die Unternehmen würden die zurückgehaltenen Investitionen wieder freigeben. Sie werden also wieder Maschinen und Anlagen kaufen. Aktuell würden die Unternehmen im «Überlebensmodus» verharren.

Der private Konsum in der Schweiz wird dennoch erstmals seit 1993 schrumpfen. Aktuell steht rund ein Drittel aller konsumierbaren Güter und Dienstleistungen gar nicht zur Verfügung, erinnerte Maurer. Und viele Dienste wie der Gang zum Coiffeur könnten nicht «nachgeholt» werden. In vergangenen Krisen war der Privatkonsum meist ein wichtiger Puffer für die Schweizer Wirtschaft.

Einen Aspekt strich Maurer zudem heraus: Viele Schweizer kaufen heute lieber online ein statt in einem Laden – Tendenz stark steigend. Und auf diesem Feld haben nicht-schweizerische Unternehmen eine starke Position – ein Teil des Konsums fliesst also ins Ausland ab. «Einige stationäre Detailhändler werden unter die Räder kommen», sagte daher Fredy Hasenmaile, der Leiter der Immobilienanalyse, voraus.

Dafür sei im Gegenzug der grenzüberschreitende Einkaufstourismus vollständig zum Stillstand gekommen, erinnerte Maurer. Diese Gelder bleiben also bis auf Weiteres in der Schweiz.

Kurzarbeit hilft

Dazu kommen die Ausfuhren von Medikamenten, die mittlerweile für 40% der in Franken gerechneten Exporte stehen. Die Pharmaindustrie leiste in schwierigen Zeiten einen Beitrag zur Stabilisierung der Schweizer Wirtschaft, betonte Ökonomin Tiziana Hunziker.

Schliesslich milderten staatliche Massnahmen die Auswirkungen des «Lockdown». Mit der Kurzarbeit habe der Bundesrat auf ein sehr wirksames Instrument zur Abfederung von kurzfristigen Schocks zurückgegriffen.

Die Arbeitslosigkeit wird nach Auffassung der CS daher nicht stark steigen: Bis Ende Jahr dürfte diese der Bank zufolge von heute 2,3 auf lediglich 2,9 Prozent steigen. Das ist wichtig: Für die Konsumlaune der Konsumenten ist die Sicherheit der eigenen Arbeitsstelle entscheidend.

Das Virus entscheidet

All diesen Aussagen liegt aber eine wichtige Prämisse zugrunde: Die Annahme, dass die Ausnahmesituation nur bis Mitte Mai andauert. «Bei einem langfristigen Schock wird auch unsere Prognose deutlich tiefer ausfallen», räumte Alder ein.

Eine tiefere Rezession kann also nur abgewendet werden, wenn der Coronavirus-Ausbruch rasch unter Kontrolle gebracht wird.