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CS und UBS: Eigene Akzente in Digitalisierung

In Sachen Fintech hat die Schweiz gegenüber den USA, London und Asien Nachholbedarf.

Die Credit Suisse (CSGN 11.75 1.29%) und die UBS (UBSG 12.995 1.96%) wollen in der Digitalisierung von Bankdienstleistungen vorwärtsmachen – und das ist auch nötig: Die Schweiz ist in Fintech gegenüber den USA, London und Asien bereits ins Hintertreffen geraten – obwohl der gesamte Fintech-Bereich erst leicht reguliert wird. Der Begriff steht für Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen.

Die Spitzen der beiden Schweizer Grossbanken sind sich einig, wie wichtig das Thema Digitalisierung für die Zukunft des Finanzplatzes ist. «Investitionen in digitale Innovationen im Banking sind für den Finanzplatz strategisch unerlässlich und werden seine künftige Wettbewerbsfähigkeit massgeblich beeinflussen», sagte CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner kürzlich vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Zürich. Ähnlich Konkurrent UBS: «Der Finanzplatz Schweiz befindet sich in einem steten fundamentalen Strukturwandel, und die Digitalisierung ist ein zentraler Treiber», gab sich Lukas Gähwiler, CEO von UBS Schweiz, überzeugt, als er vor Wochenfrist die Digitalisierungsstrategie der Bank präsentierte.

Unterschiedlicher Fokus

«CS und UBS haben den Impact der Digitalisierung erkannt, wobei der Fokus und die Vorgehensweise leicht anders liegen», stellt Falk Kohlmann fest, der im Team Banking Trend and Innovation von Swisscom (SCMN 447.5 0.02%) die Szene verfolgt.

CS konzentriert sich auf das Digital Private Banking und hat soeben eine neue digitale Lösung für Asien angeboten. Die Kunden erhalten die Möglichkeit, ihr Vermögen selbständig zu verwalten, zu investieren, Risiken abzubilden und Risiken durchzuspielen, sich untereinander und mit der Bank direkt zu vernetzen. Auf dem Schweizer Markt will die CS noch in diesem Jahr ebenfalls digitale Innovationen präsentieren. Unter anderem werden im Bereich des Hypothekargeschäfts sowie im Personal Financial Management digitale Dienstleistungen eingeführt. Sie sollen die Geldverwaltung überschaubarer und effizienter machen und den (jüngeren) Kunden beim verantwortungsvollen Umfeld mit ihren Finanzen  helfen. Auch will die CS das Online Banking neu gestalten und um neue Funktionalitäten erweitern.

UBS hat vor allem bezogen auf die Schweiz im Wealth Management investiert und konnte bereits einiges am Markt zeigen: UBS Advice (algorithmenbasierte und automatisierte Portfolioüberprüfungen und allfällige Optimierungsvorschläge über Nacht). Dazu kommt die digitale Beratungsunterstützung beispielsweise bei Hypotheken. Auch hier sollen dem Kunden digital Informationen geliefert und der Link zum Berater gestärkt werden. Mit Kooperationen (wie mit Sum­Up) will UBS sicherstellten, dass Kunden schnell innovative Lösungen geboten werden können. Mit UBS Y gibt es Einheiten, die explizit über den Tellerrand hinausschauen und künftige Szenarien und den Einsatz digitaler Werkzeuge untersuchen und Ideen präsentieren – klassisches Out-of-the-Box-Denken.

CS und UBS versuchen beide, stärker mit Fintech-Unternehmen zusammenzuarbeiten und von der Innovationskraft der kleinen agilen Start-ups zu profitieren, sei es mit Inkubatorenprogrammen, Start-up Challenges oder anderem. Das ist auch notwendig: «Was die Digitalisierung im Kontext Fintech-Szene betrifft, so hinkt die Schweiz global betrachtet anderen Ländern eindeutig hinterher», ist Swisscom-Experte Kohlmann überzeugt. Es gibt zwar ungefähr neunzig Fintech-Gesellschaften in der Schweiz. Hubs in den Regionen New York und London sowie Silicon Valley und Asien sind jedoch viel wichtiger und bedeutsamer. Zahlen sprechen eine deutlich Sprache: «Im gesamten deutschsprachigen Raum wurden im vergangenen Jahr lediglich 175 Mio. € Venture Capital in Fintech investiert, verglichen mit 6,8 Mrd. $ weltweit.»

Auch in der Schweiz werden Entwicklungen aus dem Ausland implementiert, und Themen wie die digitale Vermögensverwaltung, Crowdfunding oder Vergleichsplattformen gewinnen an Bedeutung. Diese meist technologiegetriebenen Neuerungen beeinflussen das gesamte Banking nachhaltig. Und es wird noch mehr kommen: «Viele Fintech-Gesellschaften fliegen noch unter dem Radar und werden ihre Produkte demnächst lancieren», sagt Falk Kohlmann.

Regulierung holt auf

Was im Swiss Banking fehlt, ist die Neukundeneröffnung ausschliesslich über den digitalen Kanal. «Das ist im Ausland derzeit ein grosses Thema, das in der Schweiz noch an regulatorischen Hürden scheitert», sagt der Swisscom-Experte. Weniger Regulierung würde hier (noch) mehr Innovation bedeuten.

Denkbar ist allerdings auch, dass die Regulierung in der digitalen Welt nicht abnehmen, sondern zunehmen wird. «Die Ausdehnung des regulatorischen Rahmens auf Jungunternehmen ist nur eine Frage der Zeit», ist CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner überzeugt.

Dieter Wirth, Partner und Leiter des Branchensektors Asset Management der Beratungsgesellschaft PwC Schweiz, ist der gleichen Ansicht: «Viele Akteure bewegen sich heute in einem Bereich, der noch nicht reguliert ist – Betonung auf noch», sagte Wirth diese Woche an einer PwC-Veranstaltung zum Thema Digitalisierung. Die Regulatoren in den USA und auch in der Schweiz seien jedoch dabei aufzuholen. Das muss für die Wachstumsperspektiven in diesem Bereich nicht negativ sein. «Für die grossen Mitspieler wie UBS und CS ist die zusätzliche Regulierungslast einfacher zu bewerkstelligen als für kleinere Mitspieler. Diese profitieren jedoch davon, dass eine stringente Regulierung das Vertrauen der Marktteilnehmer in einen Mitspieler erhöht.»

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