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CS warnt nach Pleite von US-Hedge-Fund

Als «sehr bedeutend und wesentlich» für das Ergebnis des ersten Quartals bezeichnet die Grossbank den Verlust aufgrund des Zahlungsausfalls.

(AWP) Die Credit Suisse (CSGN 9.39 +0.86%) muss nach der noch laufenden Greensill-Affäre bereits einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Wegen Zwangsverkäufen eines Hedgefonds droht der zweitgrössten Schweizer Bank nämlich ein hoher Verlust. Die CS-Aktie geriet entsprechend stark unter Druck.

Ein bedeutender Hedgefonds mit Sitz in den USA sei in der vergangenen Woche den Margenforderungen der Credit Suisse und einiger anderer Banken nicht nachgekommen, teilte die Bank am Montag mit. Credit Suisse sei zusammen mit den anderen Banken nun dabei, sich aus diesen Positionen zurückzuziehen. Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht sei, die genaue Höhe des Verlustes daraus zu beziffern, könnte er «sehr bedeutend und wesentlich» für das Ergebnis des ersten Quartals sein.

Details noch nicht bekannt

Genauere Details wollte die Bank auch auf Anfrage nicht bekannt geben. Man werde «zu gegebener Zeit» ein Update in dieser Angelegenheit geben, hiess es. Laut diversen internationalen Finanzmedien handelt es sich bei dem US-Hedgefonds um Archegos Capital, ein Family Office von Bill Hwang mit einem geschätzten Vermögen von rund 10 Mrd. $.

Archegos hat laut den Berichten mit viel Fremdkapital auf steigende Technologieaktien gesetzt. Nachdem diese zuletzt aber stark gelitten hatten, kam der Hedgefonds wohl unter Druck von Banken, die ihre Kredite zurückhaben bzw. zusätzliche Sicherheiten haben wollten. Da Archegos diesen sogenannten Nachschussforderungen (Margin Calls) offenbar nicht nachkommen konnte, haben die an den Krediten beteiligten Banken die Sicherheiten in Form von Aktien verkauft. Die Rede ist in einem solchen Fall von Zwangsverkäufen. Gemäss dem Finanzmedium Bloomberg musste Archegos so letzte Woche Aktien im Wert von 20 bis 30 Mrd. $ veräussern.

Die CS ist mit ihren Verlusten nicht allein. Neben ihr warnte am Montag etwa auch die japanische Bank Nomura vor einem «signifikanten» potenziellen Verlust und schätzte die Höhe der Forderung auf ca. 2 Milliarden US-Dollar, basierend auf den Marktpreisen vom letzten Freitag. Zu den betroffenen Banken gehören laut den Medienberichten aber auch Goldman Sachs (GS 357.62 +2.22%), Morgan Stanley (MS 84.51 +2.26%), Deutsche Bank (DBK 11.32 +2.54%) und UBS (UBSG 13.98 +2.57%), die alle als Prime Broker für Archegos tätig waren. Ob bzw. wie weit die UBS in den Fall involviert ist, wollte sie auf Anfrage von AWP nicht kommentieren.

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma beschäftigt sich mit dem Fall. Man sei von der CS informiert worden und stehe mit ihr – wie in solchen Fällen üblich – in Kontakt, hiess es auf Anfrage von AWP.

Aktie seit Anfang März stark unter Druck

Die CS-Aktie büsste am Montag massiv an Wert ein. Händler verwiesen vor allem auf die grossen Unsicherheiten. «Noch ist unklar, wie hoch die Verluste und wie gross die Probleme sind», sagte einer. Und da die Anleger sich vor solchen Unsicherheiten scheuten, würden die CS-Papiere heute in grösserem Stil aus den Portefeuilles geworfen.

Analysten hielten sich angesichts der noch vielen Unklarheiten mit Kommentaren noch zurück. Man werde vermutlich in den nächsten Tagen oder Wochen von den Auswirkungen des erzwungenen Schuldenabbaus auf eine Reihe von Banken hören, hiess es bei der Bank Vontobel (VONN 68.55 +2.01%). Die ZKB gab ihre Kommentar angesichts der diversen Verluste in jüngster Zeit einen leicht sarkastischen Ton: Man sei fast geneigt, den alten Spruch zu zitieren, dass die Bank erst kein Glück gehabt habe und dann auch noch Pech dazu gekommen sei, meinte der zuständige Analyst.

Milliardenverluste

Nach einem sehr starken Start ins Jahr sind die CS-Papiere mittlerweile wieder unter den Vorjahresstand gefallen. Vor dem heutigen Kursverfall hat vor allem die sogenannte Greensill-Affäre die CS-Papiere ab Anfang März stark belastet. Die Finanzgesellschaft Greensill Capital, die mittlerweile Pleite ist, hat Lieferkettenfinanzierungen angeboten und verbrieft. Diese wiederum hat die CS in Form sogenannter Supply Chain Fonds vielen ihrer reichen Kunden angeboten.

Die Fonds, die mittlerweile geschlossen sind, hatten noch Anfang März ein Volumen von 10 Mrd. $, nun zeichnet sich aber ein Ausfall in Milliardenhöhe für die Investoren ab. Die Rede ist von 1 bis 2 Mrd. $ nach Abwicklung der Fonds.

Die CS muss sich dabei überlegen, ob sie zumindest einen Teil der Ausfälle selbst übernehmen will, um ihre Kunden nicht zu stark zu verärgern und den Reputationsschaden möglichst in Grenzen zu halten. Für die CS könnte also auch diese Angelegenheit teuer werden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete kürzlich unter Berufung auf Insider von Überlegungen der Bank, bis zu 50% der Ausfälle selbst zu übernehmen.

Leser-Kommentare

fhaslinger64 29.03.2021 - 10:20

Einfach unglaublich! Zuerst Greensill (Kunden haben noch Kredite gegen diesen Fonds erhalten) und jetzt ein Margencall, der nicht richtig gemanaget wurde! Boni 2020 zurueckbehalten (ab CHF 25,000) und die verantwortlichen Personen fristlos (und ohne goldenen Fallschirm) in die Wueste schicken!

Aloys K. Osterwalder 29.03.2021 - 11:04

Es ist zum Verzweifeln. Verwaltungsrat und Management der CS haben
jegliche Glaubwürdigkeit verloren, aber auch die externe Revisionsstelle
und die FINMA müssen hinterfragt werden. Sämtliche Vergütungen der
leitenden Organe müssen überprüft und an die Realität angepasst werden.
Der Aktionär blutet ohnehin!

Tobias Schait 29.03.2021 - 15:22

Das sind Rumpler, welche auf den mittelfristigen Erfolg keinen Einfluss haben. CS ist gut aufgestellt und Thomas Gottstein ein charakterlich starker, intelligenter Manager mit Durchhaltewillen. Aktie ist günstig bewertet.

Andreas Diehl 29.03.2021 - 16:18

dream on

Daniel Christinat 29.03.2021 - 15:46
Das sind die Konsequenzen wenn man den Direktor eines dümmlichen TV-Senders zum VRP einer Grossbank macht und belässt. Was Rohner in den über 10 Jahren seines “Schaffens” alles hingelegt hat ist eine Katastrophe – aber die Grossaktionäre schützten ihn immer. Und aus eigenem Anstand (zB bei Thiam vs Khan) einfach zurücktreten, das kann ein Rohner nicht. Der bleibt und bleibt… Weiterlesen »
fhaslinger64 29.03.2021 - 20:14
Die GV ist erst im April! Bei Greensill wurden Kundeninvestments noch durch Kreditvergabe “gepushed” und bei der Kreditvergabe in Mrd. Hoehe an den Hedge Fund, musste die Geschaeftsleitung sowie der VR zustimmen! Eine Kreidtvergabe ohne die entsprechenden “Hausaufgaben” gemacht zu haben oder aber jemand hat im Kreditprotokoll brandschwarz gelogen! Eine Untersuchung ist absolut notwendig! Saemtliche Boni der GL und des… Weiterlesen »