Ackern wie vor hundert Jahren: eine der vielen Errungenschaften der kubanischen Revolution. Die Bauern hier, im Hinterland von Havanna, halten sich notgedrungen an eine Weisung des Regimes – Ochsen vorspannen statt den Traktor starten, schliesslich fehlt es an Treibstoff. Der Ölzufluss von den klammen venezolanischen Bundesgenossen ist versiegt, wegen Covid fehlt der Devisennachschub aus dem Tourismus. Auf der Insel mangelt es an allem, noch mehr als ohnehin üblich. Die angespannte Versorgungslage erinnert an den «Período especial» in den Neunzigerjahren, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Kameradenhilfe weggefallen war. Castro & Co. überführten nach der Machtübernahme 1959 den auf Export von Tabak, Zucker oder Kaffee ausgerichteten privaten Grossgrundbesitz flugs in Staatseigentum. Das erhöhte das Gefühl von Gerechtigkeit kurz, senkte jedoch die Produktivität auf Dauer. Die roten Latifundisten haben den Agrarsektor dieses fruchtbaren Landes über die Jahrzehnte in ein Subventionsgrab verwandelt. ­Allerdings gibt es die Untugend kostspieliger Agrarbeihilfen auch in westlichen Staaten – immerhin fehlt es dort weder an Gerätschaften noch an Sprit.(Bild: Yamil Lage/AFP/Keystone)