Märkte / Aktien

Damoklesschwert für die Ölindustrie

Kurzfristig profitieren Energieaktien vom Ölpreis. Doch die Klimaschutzziele bedrohen das Geschäftsmodell.

Der Druck auf die Förderer von fossilen Energierohstoffen wächst. Regierungen, Umweltschutzgruppen und aktivistische Investoren betonen die Wichtigkeit der Kapitalmärkte für den Klimaschutz. Dabei stehen die Ölriesen im Zentrum der Kontroverse: Wie stark müssen sie ihr Geschäftsmodell umbauen, um den Ausstoss von Kohlendioxid zu reduzieren? Das ist nicht mehr nur eine theoretische Frage, sondern es wird schnell zur ernsthaften Bedrohung für das bisherige Geschäftsgebaren. Dabei läuft es dank des starken Ölpreises gut für die Branche (vgl. Kasten unten).

Der Ölriese Shell musste Ende Mai eine Niederlage vor einem Gericht in Den Haag – dem Hauptsitz von Shell – einstecken. Bis zum Jahr 2030 muss der Konzern demnach 45% seiner CO2-Emissionen reduzieren. Beim US-Ölkonzern Exxon Mobil hat der aktivistische Hedge Fund Engine No. 1 nun drei Kandidaten für den Verwaltungsrat durchgesetzt – unter anderem mit dem Programm, mehr für die Reduzierung von CO2 zu tun. Und gegen den Wunsch des Managements haben die Aktionäre des US-Ölriesen Chevron einen Antrag genehmigt, dass das Unternehmen auch die Scope 3-Emissionen kürzen soll – das sind Ausstösse, welche die gesamte Lieferkette umfassen.

Schrumpfkur

Der Ölmarkt muss gewaltig schrumpfen, wenn man den Kohlendioxidausstoss einschränken will. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass die Ölförderung um gut 80% sinken muss, um das Ziel Net Zero (Netto-Null, also die vollständige Kompensation aller CO2-Emissionen) bis zum Jahr 2050 zu erreichen (vgl. Grafik 1). Dagegen nimmt Shell zur Erreichung des Ziels von 1,5 Grad Erderwärmung an, dass eine sachte Reduktion der Abhängigkeit vom Öl ausreicht. Und die Opec, das Kartell von Förderländern, projiziert gar eine konstante Förderung.

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