Märkte / Makro

«Dann muss der Staat das Leben für Ungeimpfte erschweren»

Der Historiker Niall Ferguson hat kein Verständnis für Corona-Massnahmengegner in der Schweiz – und gibt Tipps, wie man sich auf die nächste Pandemie vorbereiten soll.

Simon Widmer

Für einen Mann, der ein Buch über Katastrophen geschrieben hat, wirkt Niall Ferguson ausgesprochen entspannt. Er spricht schnell und unterstreicht seine Ausführungen auch mal mit einem Kraftausdruck. Das Gespräch fand an der Universität Zürich statt, wo der Historiker auf Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung einen Vortrag hielt (Sie können die Aufzeichnung hier streamen). Er sprach über sein neues Buch, in dem er sich der Geschichte der Katastrophen widmet. «Geschichte ist die Impfung – und mein Buch die erste Impfdosis», sagte der Historiker spasseshalber in Zürich.

Werden Historikerinnen und Historiker in 20 Jahren auf die Corona-Pandemie zurückschauen und sagen: Das war ein Wendepunkt in der Geschichte.
Ich denke schon. Im Gegensatz zu früheren Massenerkrankungen hat die Covid-Pandemie nicht nur Leben vorzeitig beendet, sondern auch einen ökonomischen Schock verursacht, dessen Konsequenzen wir noch lange spüren werden: Es gibt einen grossen Inflationsdruck. Einige Länder wie der Libanon stehen vor dem finanziellen Kollaps. Und natürlich scheint auch die Anzahl der Toten beeindruckend. Aber im Zuge der Spanischen Grippe 1918/1919 starben gemessen an der Weltbevölkerung etwa 29-mal mehr Menschen. Es ist also weniger die Todesrate, sondern die ökonomischen, sozialen und politischen Konsequenzen, die Corona als historischen Wendepunkt erscheinen lassen.

Der ganze Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Abonnieren Bereits abonniert?

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.
Daniel Christinat 09.09.2021 - 00:59

Danke für dieses Interview. Ein sehr gescheiter Mensch, mit klugen Fragen zu interessanten Antworten geführt.
Leider geht der wertvolle Text im Alltagsgeschrei etwas unter.
Aber es liefert viele Gedanken zur Zukunft – welche mir aber ehrlich gesagt teilweise doch Angst einflössen.