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Darüber wird Raiffeisen am 10. November entscheiden

An der Delegiertenversammlung der Bank in Brugg stehen richtungsweisende Traktanden auf der Liste.

Wenn sich die Delegierten von Raiffeisen Schweiz am 10. November in Brugg versammeln, geht es um die Zukunft der Genossenschaftszentrale in St. Gallen. Die Traktandenliste wird diesen Freitag verschickt, neben der Wahl von Guy Lachappelle zum Präsidenten stehen aber noch weitere gewichtige Entscheide auf dem Programm.

Zur Delegiertenversammlung (DV) wird ein weiterer Streitpunkt um den neuen Präsidenten bereits geklärt sein. Wie viel Lohn soll Lachappelle in seinem neuen Amt nun bekommen? Obgleich Zahlen zu Lohnhöhe und Pensum herumgeistern, entschieden ist laut ranghohen Raiffeisen-Exponenten in dieser Richtung noch gar nichts.

Kein Millionen-Salär für Lachappelle

Fest steht: Die Finanzmarktaufsicht (Finma) fordert, dass das Raiffeisen-Präsidium in Zukunft im Vollamt ausgeübt wird, ein 50%-Pensum soll es nicht geben. Eine Lohndecke zeichnet sich auch bereits ab: Der Beirat der Regionalverbandspräsidenten wird wohl ein Veto für ein Millionensalär einlegen.

Grundsätzlich werden die Delegierten über eine neue «genossenschaftstaugliche» Vergütungsordnung für den Verwaltungsrat (VR) von Raiffeisen-Schweiz informiert werden, die zurzeit mit der Beratungsgesellschaft HCM ausgearbeitet wird. Ob eine Abstimmung darüber stattfindet, ist unklar, denn die Kompetenz über die Entlöhnung des VR liegt nicht bei der DV, sondern bei der zuständigen Kommission des VR selbst.

Untersuchungsergebnisse über Ära Vincenz

An der DV sollen zudem die Kernergebnisse der internen Untersuchung von Wirtschaftsprofessor Bruno Gehrig vorliegen. Gehrig durchleuchtet die Beteiligungsnahmen Raiffeisens in der Ära von Pierin Vincenz. Der komplette Abschlussbericht wird wohl aber erst Ende des Jahres fertiggestellt werden können. Raiffeisen prüft, ob der Bericht dann veröffentlicht werden kann.

Gut möglich, dass die Delegierten dieses Mal über die Décharge für den Raiffeisen-Schweiz-VR für 2017 abstimmen werden. Der Punkt wurde an der DV im Sommer verschoben, weil man zumindest noch den Gehrig-Bericht abwarten wollte. Da die Langfassung bis dahin nicht fertig sein wird, könnte das Traktandum allerdings nochmals auf die nächste DV verschoben werden.

Wer wird CEO?

Die Delegierten erwarten nach der Wahl eines neuen Präsidenten wohl auch Informationen über die Suche nach einem neuen CEO. Wie schon zuvor bei der Suche nach einem Präsidenten ist der Headhunter Guido Schilling damit beauftragt, Kandidaten zu finden. Ursprünglich wurden 400 Dossiers für die Posten von VRP und CEO gesichtet. Der amtierende Bankchef Patrik Gisel hatte seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt. Ob bis dahin ein Nachfolger gefunden sein wird, ist unklar. Gut möglich, dass es zu einer Interimslösung kommen wird.

Schliesslich werden die Delegierten wohl eine Art Reform-Mandat zur Zukunftsstrategie «Fokus 21» beschliessen. Es zeichnet sich die Einrichtung einer Arbeitsgruppe (AG) aus Vertretern der Einzelbanken und Raiffeisen Schweiz ab. Diese AG wird über die neue Struktur von Raiffeisen Schweiz beraten. Dazu gehört die von der Finma verordnete Prüfung der Umwandlung von Raiffeisen Schweiz in eine Aktiengesellschaft.

Marktgerechtere Gebühren

Zudem soll eine neue Finanzierungsordnung für die St. Galler Zentrale erarbeitet werden. Das Gebührenmodell für die zentralen Dienstleistungen, die Raiffeisen Schweiz den einzelnen Banken liefert, soll dem Vernehmen nach nun markt- und volumengerechter ausgestaltet werden.

Ebenfalls sollen die Entscheidungskompetenzen bei Raiffeisen Schweiz neu verteilt werden. Im Raum steht die Einrichtung eines Genossenschaftsrates, der dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz zur Seite gestellt werden soll. Auch zeichnet sich ab, dass die Versammlung von heute 164 Delegierten auf die heutige Zahl der Einzelbanken von 246 ausgeweitet werden soll, damit jede Bank zukünftig mit einer Stimme vertreten ist.

Umstrittene Aktivitäten der Zentrale

Zuletzt könnte in der AG auch das Bankgeschäft von Raiffeisen Schweiz zur Sprache kommen. Einige Raiffeisenbanken sind unzufrieden, dass die St. Galler Zentrale mit eigenen Filialen in den grossen Städten vertreten ist. Sie fordern, diese Niederlassungen den umliegenden Genossenschaften anzuschliessen.

Die Ergebnisse der Reform-Anstrengungen sollen dann an einer der nächsten DV zur Abstimmung kommen.

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