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Ausstellung mit 500 Fotografien, die (Auto-)Geschichte gemacht haben.

Einsame Kreuzung mit Tankstelle in Texas, 1971. Grüner Fiat auf grüner Wiese in Deutschland, 1996. Steve McQueen in rasanter Rückwärtsfahrt im Film «Bullitt», 1968. Visualisierte Geschwindigkeit am Grand Prix de l’Automobile, 1926.

Skelett eines Toyota auf dem Fliessband der Fabrik, 2005. Verschneiter Ford in Chicagos nächtlichen Strassen, 1948. Sexy Car Girls am Autosalon, 2002. Paar beim Fastfood in rotem Amischlitten,1965. Verkehrsstau auf der Pariser Place de l’Étoile, 1926.

Polizeifoto von Autounfall, 1973. Enge Strassenbrücken über den Häusern von Neapel, 2014. Vielspuriger Autobahnkreisel in Schanghai, 2004. Reparierende Mechaniker unter dem Motor, 2012.

Drive-in-Kino in Kalifornien, 1972. Familienfoto vor Limousine in den Fünfzigerjahren. Farbige Karosserieteile, als wären sie abstrakte Kunst, 2016…

Das Auto also als unerschöpflicher Fetisch der Fotografen. Als Zeitzeuge der Technik, als sexy Beauty oder als kaputtes Wrack, als simpler Gebrauchsgegenstand oder als poliertes Statussymbol, als gehegtes Objekt der Begierde oder heruntergekommener Wegwerfartikel.

Aus einer Fülle von 10‘000 Bildern haben die beiden Co-Kuratoren, der Verleger und Fotograf Xavier Barral und der Regisseur und Fotograf Philippe Séclier, 500 ausgesucht und eine ebenso schöne wie aufregende Bilderschau zusammengestellt.

Sie erzählt, mal bewundernd, mal auch kritisch, von der Evolution der individuellen Mobilität und von ihrem Pièce de résistance. Durch die Augen – oder besser: durch die Linsen – von rund neunzig Fotografen aus aller Welt, unter ihnen namhafte Künstler aller Foto-Epochen wie Man Ray, William Eggleston, Bruce Davidson, Langdon Clay oder Andreas Gursky, um nur einige zu nennen.

Gleichzeitig, und das ist ebenso spannend, ist Autophoto auch über hundert Jahre Geschichte der Fotografie, ihrer stilistischen Bildsprache und ihrer technischen Innovationen, von den ersten Experimenten bis zu digitalisierten Bytes.

«Die Fotografie erlaubte, Räume festzuhalten, sich an sie zu erinnern, sie zu multiplizieren. Das Auto ermöglichte, sich in sie hineinzubegeben», sagt Xavier Barral. «Beide, in ständiger Evolution, nutzen ihre parallel verlaufenden Wege, um auf ihre Weise Raum und Zeit zu beherrschen. Die Fotografie, als immobiles Werkzeug, benutzte das Auto, das Gerät der Mobilität.»

Und Philippe Séclier ergänzt: «Das Fahrzeug kann zur mobilen Kamera werden – Rückspiegel und Seitenfenster werden zu Bilderrahmen beim Durchqueren der Landschaft.»

Der amerikanische Fotograf Lee Friedlander etwa zeigt mit seinen Bildern, wie die Welt aus dem Auto heraus aussieht, wenn Fensterausschnitte zum Gestaltungselement werden.

Interessant ist, wie viele Fotografen auch der Neunzigerjahre und unseres Jahrhunderts sich in ihrer Bildsprache und -atmosphäre – bewusst oder nicht – auf romantisierende Stilelemente der Fünfziger- und Sechzigerjahre besinnen.

Das Auto ein Auslaufmodell? Vielleicht, wenn wir an die heute diskutierten Visionen der Mobilität denken.