Meinungen

Das doppelte Risiko der SNB

Die Nationalbank verbucht einen Quartalsgewinn von 5,7 Mrd. Fr. Das ist erfreulich, doch die Risiken in der Bilanz bleiben gross. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Philippe Béguelin.

«Die SNB sollte jeden Franken Gewinn ins Eigenkapital stecken.»

Die Diversifikation des Portefeuilles der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 5'140.00 -0.77%)) hat im ersten Quartal gut funktioniert. Einerseits hat der stärkere Franken auf dem Devisenbestand einen Verlust von fast 7 Mrd. Fr. eingebracht. Weil aber die Zinsen sanken, stiegen die Kurse der Obligationen um gut 6 Mrd. Fr. Dazu kamen Einnahmen aus Coupons im Umfang von gut 2 Mrd. Fr. und der deutlich höhere Goldpreis, womit der Wert der SNB-Barren 4 Mrd. zunahm.

Trotz des Wechselkursverlusts stiegen die Devisenanlagen im ersten Quartal von 593 auf gut 595 Mrd. Fr. Die SNB hat also Fremdwährungen zugekauft, um den Franken zu schwächen (lesen Sie hier mehr dazu).

Dank des Quartalsgewinns wächst das Eigenkapital auf gut 10% der Bilanzsumme – im vergangenen Sommer war die Eigenkapitalquote auf 5,9% gefallen. Das ist erfreulich. Dennoch bleibt das Risiko gross.

Die Bilanzsumme wächst stetig, sie ist mittlerweile fast so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz und damit deutlich grösser als in anderen Ländern. Selbst die äusserst expansive Bank of Japan – die beim heutigen Zinsentscheid ihre Geldpolitik unverändert gelassen hat – hat  gemessen am Bruttoinlandprodukt eine kleinere Bilanz. Zudem kauft sie inländische Wertschriften, wie das auch die Notenbanken in den USA, Euroland und Grossbritannien tun. Keine hat ein Währungsrisiko wie die SNB.

Das doppelte Risiko von Grösse und Wechselkurs mahnt zur Vorsicht. Zwar hat sich der Franken in letzter Zeit nicht allzu stark aufgewertet. Wenn Gefahr für die Weltwirtschaft aufkam, flüchteten Investoren jeweils in den Dollar. Aber mit Blick auf Europa bleibt der Franken der wichtigste sichere Hafen. Ein allfälliger Austritt Grossbritanniens aus der EU, die Flüchtlingskrise, die zähen Verhandlungen mit Griechenland, die hartnäckigen wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone und die Präferenz der Wähler für euroskeptische Parteien lassen für den Franken nichts Gutes erahnen. Er bleibt hochgradig aufwertungsverdächtig. 

Deshalb sollte die Nationalbank so viele Rückstellungen wie möglich bilden und damit das Eigenkapital stärken. Am Freitag pilgern die Aktionäre der SNB nach Bern an die Generalversammlung. Sie werden den Geschäftsbericht 2015 absegnen, ebenso die Ausschüttung von 1 Mrd. Fr. an Bund und Kantone, denn Letztere sind die Hauptaktionäre.

Das sollte aber die letzte Überweisung sein. Mit dem Geschäftsjahr 2015 läuft die Vereinbarung über die Gewinnausschüttung aus. Über eine Verlängerung wird verhandelt, zuständig sind das Finanzdepartement des Bundes und das Aufsichtsgremium in der SNB, der Bankrat – in dem verschiedene Kantonsvertreter sitzen. Sie sollten über ihren Schatten springen und es der SNB ermöglichen, jeden Franken Gewinn ins Eigenkapital zu stecken. Das doppelte Risiko macht’s nötig.