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Lagarde stellt Ende der Negativzinsen in Aussicht

Ende September könnten die negativen Zinsen laut der Notenbankchefin ein Ende haben. Für Juli wird mit einer Zinserhöhung der EZB gerechnet.

(Reuters) Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Worten ihrer Präsidentin Christine Lagarde bis Ende September die Ära der Negativzinsen in der Währungsunion beenden. «Ausgehend von den derzeitigen Aussichten werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu stoppen», schrieb Lagarde am Montag in einem Blogbeitrag auf der EZB-Website.

Der Einlagensatz der EZB liegt derzeit bei minus 0,5% und bereits seit 2014 unter Null, weil die Zentralbank damit gegen die lange Zeit sehr niedrige Inflation ankämpfen wollte. Dies bedeutet, dass die Banken Gebühren für das Parken von Bargeld bei der Zentralbank zahlen müssen, was von den Geldhäusern als «Strafzinsen» kritisiert wird, die teilweise auch an Sparer weitergegeben wurden. Lagardes Erklärung schob den Euro an: Die Gemeinschaftswährung kletterte um mehr als 1% auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,0687 $. Höhere Zinsen machen eine Währung attraktiver für Anleger.

Lagarde öffnete zugleich die Tür für weiter steigende Zinsen. «Wenn sich die Inflation mittelfristig bei 2% stabilisiert, wird eine schrittweise weitere Normalisierung der Zinssätze in Richtung des neutralen Zinssatzes angemessen sein», schrieb sie. Tempo und Umfang könnten aber nicht von vornherein festgelegt werden, da die Wirtschaft mit der Corona-Welle in China und ökonomischen Folge des Ukraine-Krieges konfrontiert sei. «Dies schafft mehr Unsicherheit darüber, wie schnell der derzeitige Preisdruck nachlässt, wie sich die Überkapazitäten entwickeln und inwieweit die Inflationserwartungen weiterhin auf unserem Zielniveau verankert bleiben.» Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage dämpfen und so den Preisauftrieb begrenzen kann.

«Beugt sich der Realität»

Kritikern geht das alles nicht weit genug. «EZB-Chefin Christine Lagarde beugt sich der Realität hartnäckig hoher Inflationsraten, wenn sie jetzt noch für das dritte Quartal ein Ende des negativen Leitzinses ankündigt und danach einen Anstieg des Leitzinses in Richtung auf das neutrale Niveau in Aussicht stellt», kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Da dieses neutrale Zinsniveau nach früheren Aussagen von EZB-Vertretern zwischen 1,0 und 1,5% liege, rechnet er nun auf jeder der kommenden sieben Ratssitzungen mit eine Leitzinserhöhung um jeweils 0,25 Prozentpunkte – bis der EZB-Einlagensatz im Frühjahr nächsten Jahres bei 1,25% liegt. «Das dürfte allerdings nicht ausreichen, um die Inflation wieder einzufangen», sagte Krämer, da der neutrale Leitzins eher zwischen 2,5 und 3,0% liege. «Die Geldpolitik dürfte also bis auf weiteres zu expansiv bleiben, was für eine anhaltend zu hohe Inflation spricht.»

Aktuell liegt die Inflationsrate in der Währungsunion mit 7,4% auf einem Rekordhoch, da die Energiepreise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine sprunghaft gestiegen sind, was auch viele andere Waren wie Nahrungsmittel teurer macht. Dabei strebt die EZB eigentlich einen Wert von 2% an.

An den Finanzmärkten wird allgemein für den Juli mit einer Erhöhung des EZB-Leitzinses gerechnet, der seit Jahren bei 0% liegt. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte jüngst gesagt, nach einer ersten Zinsanhebung im Euroraum könnten aus seiner Sicht schnell weitere Erhöhungen folgen. Zuletzt hatte die EZB im Jahr 2011 die Zinsen angehoben.

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