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Das Experiment der ETH

Nach dem Modell des ETH-Professors Didier Sornette sollen Blasen vorhersehbar sein. Sollte der Beweis gelingen, würden die Notenbanken wiederlegt werden.

Im Frühjahr 2010 lancierte die ETH Zürich das sogenannte «Financial Bubble Experiment» (FBE). Mit dem FBE möchten Professor Didier Sornette und sein Team in einem Feldversuch beweisen, dass Spekulationsblasen erkannt werden können und sich auch der Zeitrahmen für deren Platzen voraussagen lässt. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, liessen sich Blasen unter Umständen vermeiden. Dies hätte wiederum ein stabileres und weniger schockanfälliges Finanz- und Wirtschaftssystem zur Folge, Krisen würden seltener.

Nach Sornettes Auffassung entstehen Finanzblasen ähnlich wie epileptische Anfälle oder Erdbeben. Sich selbst verstärkende Prozesse – die Forscher sprechen von Rückkoppelungen oder Feedback-Loops – führen zum Kulminationspunkt. Auf die Finanzmärkte übertragen heisst das: Die Anleger kaufen ein Wertpapier hauptsächlich deshalb, weil es im Preis gestiegen ist. Durch den Preisauftrieb erschliessen sich immer breitere Käuferschichten, ein Herdentrieb entsteht. Dadurch steigen die Kurse nicht mehr mit konstanter Rate, sondern klettern überexponentiell. Markttechniker sprechen von steigendem Momentum. Im Gegensatz zu alternativen Modellen gehen Sornette und sein Team davon aus, dass die Phase mit überexponentiellem Wachstum temporär ist. Spätestens wenn die Wachstumsrate gegen unendlich tendiert, muss die Blase platzen. Dieser Punkt kann bestimmt werden. Mittels Wahrscheinlichkeitsverteilung kann das Zeitfenster definiert werden, in dem die Blase platzt.

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