Märkte / Makro

Das Fed blickt in die Ferne

Die amerikanische Notenbank rechnet mit einer anhaltenden Konjunkturaufhellung. An ihrer letzten Sitzung wurden deshalb vor allem Strategien zur Normalisierung der Geldpolitik diskutiert.

Christoph Gisiger, New York

Das Federal Reserve sieht keinen Anlass, seinen Kurs zu ändern. Das ist das Fazit, das aus den Unterlagen zum letzten Treffen der US-Währungshüter von Ende April hervorgeht. «Die Teilnehmer signalisierten in der Diskussion, dass sich ihre Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage seit der Sitzung vom März nicht materiell verändert hat», heisst es dazu konkret.

Der strenge Winter habe zwar wesentlich zur Wachstumsverlangsamung im ersten Quartal beigetragen, waren sich die Mitglieder im Entscheidungsgremium der US-Notenbank einig. «Die jüngsten Indikatoren deuten jedoch eine Erholung an und legen nahe, dass die Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad zurückgekehrt ist», lautet der Konsens.

Grössere Gefahren für die Konjunktur machten die Währungshüter nicht aus. Einige Risikofaktoren gaben aber dennoch zu reden. Dazu zählt besonders die Abkühlung am Häusermarkt. Ebenso wurden internationale Entwicklungen angesprochen, etwa die Wachstumsverlangsamung in China und die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Keine Angst vor Inflation

Keine Sorgen macht sich das Fed hingegen über einen plötzlichen Teuerungsschub. Vielmehr rechnet es damit, dass die Inflation weiterhin klar unter 2% verharren wird. Es gebe deshalb «keinen Zielkonflikt» zwischen den beiden Mandaten zur Sicherstellung von Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung, ist in den Sitzungsunterlagen zu lesen.

Investoren gehen davon aus, dass die US-Notenbank, dass Stimulusprogramm QE3 an ihrer kommenden Sitzung von Mitte Juni weiter drosseln und die monatlichen Wertschriftenkäufe um 10 auf 35 Mrd. $ reduzieren wird. Geht es in diesem Tempo weiter, wird QE3 im Verlauf vom Herbst vollständig beendet sein.

Die entscheidende Frage ist damit, wie es nach QE3 weitergeht. Seit Fed-Chefin Janet Yellen ihren Posten Anfang Februar angetreten hat, bekräftigt sie zwar immer wieder, dass die Zinsen länger tief bleiben werden als in früheren Konjunkturzyklen. Irgendwann wird aber der Moment kommen, an dem das Fed all die Liquidität absaugen muss, die es seit der Krise ins Finanzsystem gepumpt hat.

Zeit für Grundsatzdiskussion

Die Währungshüter haben einen bedeutenden Teil ihres Treffen deshalb dazu genutzt, über die Tagesaktualität hinauszublicken und über verschiedene Strategien zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu diskutieren. So steht im Sitzungsprotokoll:

«Die Teilnehmer überlegten sich, wie sich unterschiedliche Instrumente auf den Grad der Kontrolle über die kurzfristigen Zinsen, die Bilanz des Federal Reserve und Rückzahlungen an das Schatzamt, die Funktionsfähigkeit des Geldmarktes und die Finanzstabilität in normalen Zeiten sowie in Stressphasen auswirken könnten.»

Mit Blick auf seine hundertjährige Geschichte hat das Fed mit der Straffung der geldpolitischen Zügel zwar reichlich Erfahrung. Im Vergleich zu früheren Zinszyklen muss es dieses Mal aber gleichzeitig eine riesige Bilanz bewirtschaften, die inzwischen auf mehr als 4300 Mrd. $ oder fast 25% der Wirtschaftsleistung angeschwollen ist.

Wallstreet tendiert freundlich

Einen definitiven Entschluss über eine Exit-Stratgie fassten die Währungshüter vorerst nicht. «Die Teilnehmer verlangten zusätzliche Analysen vom Mitarbeiterstab und stimmten darin überein, dass es hilfreich sein würde, auf dieses Thema an den kommenden Sitzungen zurückzukommen», heisst es im Sitzungsprotokoll.

An Wallstreet lösten die Nachrichten keine grösseren Reaktionen aus. Der US-Leitindex S&P 500 ging bereits am Mittwochmorgen klar fester in den Handel und machte nach der Veröffentlichung der Fed-Unterlagen nochmals leicht an Terrain gut. Er schloss 0,8% im Plus auf 1888,03. Am Bondmarkt stieg die Rendite auf zehnjährige Treasuries 3 Basispunkte auf 2,54%.

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