Märkte / Makro

Das Fed hält sich alle Optionen offen

Die US-Notenbank lässt die ultralockere Geldpolitik vorerst unverändert. Einen neuen Anlauf zum Stopp des Stimulusprogramms QE3 bei der nächsten Sitzung schliesst sie aber nicht aus.

Christoph Gisiger, New York

Das Federal Reserve lässt die Zügel weiter schleifen. Das hat der geldpolitische Steuerungsausschuss nach seiner zweitägigen Sitzung am Mittwoch beschlossen. An seiner Einschätzung zur Konjunkturlage hat sich wenig verändert. Der Häusermarkt habe sich «etwas abgekühlt», halten die Währungshüter fest. Der Arbeitsmarkt hat sich seiner Ansicht nach «leicht weiter verbessert». Die Beurteilung des Jobsektors fällt damit um eine Nuance vorsichtiger aus. Beim letzten Treffen von Mitte September sprach der Ausschuss noch davon, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt «weiter verbessert» habe.

Bedenken wegen steigender Zinsen legen sich

Die grösste Veränderung sieht das Federal Reserve in den finanziellen Rahmenbedingungen. An der Sitzung vor sechs Wochen äusserte es Bedenken, dass steigende Zinsen «das Erholungstempo der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts bremsen könnten». Im nun veröffentlichen Kommuniqué ist davon nichts mehr zu lesen. Mit keinem Wort mehr werden auch die Hypothekarzinsen erwähnt, deren Anstieg das Fed zuletzt als Bedrohung für die Belebung des Häusermarkts eingestuft hatte.

Im  September hatten die US-Währungshüter die Finanzmärkte mit dem Beschluss überrascht, dass sie das Stimulusprogramm QE3 vorerst ungebremst weiter laufen lassen werden. Der Leitindex S&P 500 hat seither 3,4% gut gemacht und notiert zum Stand von Anfang Jahr rund 23% im Plus. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen ist derweil auf fast 2,5% gesunken, nachdem sie im September auf annähernd 3% geklettert war. Auch die Zinsen auf eine dreissigjährige Festhypothek haben sich im selben Zeitraum rund 50 Basispunkte auf 4,1% verringert.

Keine festen Belege für einen robusten Aufschwung

Um Druck auf die langfristigen Zinsen auszuüben, pumpt die US-Notenbank mit QE3 jeden Monat 85 Mrd. $ ins Finanzsystem. Das, indem sie langlaufende Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken kauft. Wie es mit dem Stimulusprogramm weitergeht, lässt das Fed mit Blick auf die aktuelle Konjunkturlage offen: Das Geldpolitische Entscheidungsgremium wolle «weitere Belege dafür abwarten, dass sich der Fortschritt als dauerhaft erweist, bevor das Tempo der Wertschriftenkäufe angepasst werde», heisst es dazu.

Wallstreet reagierte auf die Nachrichten mit Enttäuschung. Viele Investoren hatten nach dem Showdown in Washington wohl mit einer noch vorsichtigeren Einschätzung der Währungshüter gerechnet. Nachdem der S&P 500 am Vortag ein weiteres Rekordhoch markiert hatte, eröffnete er am Mittwoch leicht schwächer und büsste nach der Stellungnahme des Federal Reserve nochmals etwas Terrain ein. Zum Schlusstand von 1763,31 notierte er 0,5% im Minus. Die Zinsen auf zehnjährige Treasuries zogen leicht an und der Dollar tendierte fester.

Bremsfaktor Washington

Fed-Präsident Ben Bernanke, der Ende Januar sein Amt an die Vize-Chefin Janet Yellen abtritt, hat in der Vergangenheit immer wieder vor der Belastung der US-Wirtschaft durch die Politik gewarnt. Auch in ihrem aktuellen Statement bekräftigt die US-Notenbank, dass die von Washington verhängten Sparmassnahmen «das Wachstum zurückhalten». Das Risiko einer politischen Eskalation in Washington war denn auch eine Schlüsselbegründung dafür, QE3 nicht zu drosseln.

Obschon das Federal Reserve keinen Hinweis für ein neues Bremsmanöver gibt, schliesst es einen solchen Schritt an der kommenden Sitzung vom 17. und 18. Dezember nicht kategorisch aus. Der mehr als zweiwöchige Stillstand der US-Bundesverwaltung verzerrt die Konjunkturdaten allerdings erheblich. Die meisten Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die US-Notenbank erst im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zum Stopp von QE3 wagen wird, wenn Yellen das Zepter führt.

Noch wesentlich länger werden die Währungshüter damit warten, die Leitzinsen anzuheben. Auch nach ihrem jüngsten Treffen haben sie die Federal Funds Rate unverändert auf nahezu null belassen. Den Entscheid, vorerst nichts an der Geldpolitik zu ändern, hat der Rat der US-Notenbank mit überwiegender Mehrheit gefällt. Von den stimmberechtigten Mitgliedern hat einzig Esther George, die Präsidentin der Fed-Distriktnotenbank von Kansas City, erneut dagegen votiert.