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Das Fed schlägt ein höheres Tempo an

Die US-Notenbank strafft erwartungsgemäss ihre Geldpolitik. Neu signalisiert sie für kommendes Jahr zudem drei statt zwei weitere Zinsschritte. Die Börsen in New York reagieren verschnupft.

Christoph Gisiger, New York

Fast exakt ein Jahr hat das Federal Reserve seit der ersten Zinserhöhung mit dem nächsten Schritt pausiert. An der Sitzung vom Mittwoch hat es die geldpolitischen Zügel nun zum zweiten Mal seit der Finanzkrise gestrafft.

Wie im Vorfeld erwartet hebt die US-Notenbank das Zielband für die Federal Funds Rate um 25 Basispunkte auf 0,5 bis 0,75% an. Händler hatten mit einer Wahrscheinlichkeit von annähernd 100% mit diesem Schritt gerechnet.

«Das Gremium hat befunden, dass eine leichte Erhöhung der Federal Funds Rate mit Blick auf den soliden Fortschritt angemessen ist, den wir hinsichtlich unserer Ziele für Vollbeschäftigung und für 2% Inflation sehen», sagte Fed-Chefin Janet Yellen an der Pressekonferenz.

Überraschung bei der Zinsprognose

Gemäss dem letzten monatlichen Bericht zum US-Jobmarkt ist die Arbeitslosenrate im November auf 4,6% gefallen. Das, nachdem sie sich Ende 2015 auf 5% belaufen hatte. Die Teuerungsrate – gemessen am Kernindex der Konsumentenausgaben – bewegt sich auf 1,7%.

Die US-Währungshüter gehen von einer weiteren Aufhellung der Konjunkturlage aus. Die Zinsprognose für Ende 2017 haben sie im Durchschnitt deshalb von 1,1 auf 1,4% erhöht. Damit signalisieren sie neu drei statt zwei Zinsschritte im kommenden Jahr. Parallel dazu haben sie den Zinsausblick für Ende 2018 auf 2,1% angehoben.

«Ich möchte betonen, dass diese Anpassung für den Pfad der Leitzinsen sehr bescheiden ist. Nur ein paar Mitglieder im Fed-Komitee haben ihre Prognose geändert», relativierte Notenbankpräsidentin Yellen. Die Mehrheit im Fed-Gremium habe eine mögliche Veränderung der US-Wirtschaftspolitik im Ausblick nicht berücksichtigt, fügte sie hinzu.

Irritation an Wallstreet

An Wallstreet sorgt die Überraschung für Irritation. An den Börsen in New York unterbrach der Dow Jones Industrial seine Rekordjagd. Das Blue-Chip-Barometer schloss am Mittwoch 0,6% tiefer auf 19’792. Der breiter gestreute S&P 500 verlor 0,8% auf 2253,28, und der Technologieindex Nasdaq Composite büsste 0,5% auf 5436,67 ein.

Bewegung löste der Fed-Entscheid auch am Bondmarkt aus. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen rückte 8 Basispunkte auf 2,53% vor. Der Dollar machte gemessen an den wichtigsten Währungen 1% gut und notierte zum Franken auf 1.02 $/Fr. Der Goldpreis sank 1,1% auf 1146.70 $ pro Unze.

«Die Finanzmärkte sind für 2017 bislang von zwei Zinserhöhungen ausgegangen. Nun hat das Fed drei in Aussicht gestellt», meint Steven Ricchiuto, Chefökonom beim Brokerhaus Mizuho Securities USA. «Zudem war der Ton im Statement etwas schärfer, mit einem Akzent auf das Anziehen des Arbeitsmarktes und der Inflation.»

Nächster Schritt bereits im März?

Das Federal Reserve erwartet nun, dass die Arbeitslosenquote bis Ende 2017 nochmals leicht auf 4,5% sinken wird. Das Wirtschaftswachstum soll im kommenden Jahr 2,1 anstelle von 2% betragen. Für die Kerninflation wird unverändert mit einer Rate von 1,8% gerechnet.

«Diese Prognosen könnten zwar bedeuten, dass die nächste Zinserhöhung erst an der Sitzung vom Juni kommt. Es besteht aber auch klar die Möglichkeit, dass die US-Notenbank bereits am Treffen vom März handelt», meint Jim O’Sullivan vom Researchdienst High Frequency Economics. «Auf diese Frage wird sich jetzt der Fokus richten.»

Die Situation erinnert damit an die erste Zinserhöhung im Dezember 2015. Auch damals waren die Börsen im Vorfeld avanciert, und das Federal Reserve signalisierte optimistisch vier weitere Schritte für 2016. Mit dem Ölcrash und der Korrektur an den Aktienmärkten musste es diese Pläne aber schon wenige Woche später begraben.

Yellen hält an Mandat fest

Ungewissheit besteht über personelle Veränderungen im Fed. Der Wahlsieg von Donald Trump wirft die Frage auf, wie es mit dem Posten von Yellen weitergeht. Während seiner Präsidentschaftskampagne hatte er die Fed-Chefin scharf kritisiert und sie bezichtigt, mit einer Zinserhöhung abzuwarten, um die Chancen von Hillary Clinton zu verbessern.

«Mein Mandat als Fed-Präsidentin wurde vom Senat für vier Jahre bestätigt. Entsprechend beabsichtige ich, es bis zum Ende meiner Amtszeit wahrzunehmen. Darüber hinaus habe ich noch keinen Entscheid getroffen», sagte Yellen an der Pressekonferenz. Der Posten an der Spitze der Notenbank fällt Anfang 2018 zur Neubesetzung an.

Den Beschluss, den Leitzins zu erhöhen, haben die stimmberechtigten Mitglieder des Fed-Gremiums einheitlich gefällt. Mit Neel Kashkari, Präsident des Notenbankdistrikts Minneapolis, Robert Kaplan (Dallas) und Patrick Harker (Philadelphia) werden kommendes Jahr gleich drei neue Mitglieder über die Geldpolitik mitbestimmen.

Die nächste Zinssitzung hält die US-Notenbank am 27. und 28. Januar ab.

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