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Das Fed nimmt die Zinsfrage wieder auf die Agenda

Eine Zinserhöhung war für das Federal Reserve bislang kein Thema. Doch an der letzten Sitzung der US-Notenbank wurde erstmals wieder darüber diskutiert.

Christoph Gisiger, New York

Im geldpolitischen Steuerungsgremium des Federal Reserve stand bislang das Stimulusprogramm QE3 im Zentrum. Künftig wird jedoch die Zinsfrage unter den US-Währungshütern für die grössten Kontroversen sorgen, wie sich dem Protokoll ihres letzten Treffens entnehmen lässt: «Einige Teilnehmer sprachen die Möglichkeit an, dass es schon relativ bald angebracht sein könnte, die Federal Funds Rate zu erhöhen», heisst es in den Sitzungsunterlagen von Mitte Januar.

Die US-Notenbank hält die Federal Funds Rate seit Ende 2008 auf nahezu null gedrückt. Am Leitzins etwas zu ändern, stand so lange ausser Diskussion, wie das Stimulusprogramm QE3 auf vollen Touren lief. Anfang Jahr hat das Fed jedoch mit dem Tapering begonnen, wie das graduelle Herunterfahren der milliardenschweren Wertschriftenkäufe genannt wird. Nach fünf Jahren kommen damit Fragen zur Zinspolitik zurück auf die Agenda.

Heikler Balanceakt für Yellen

Das stellt Janet Yellen vor einen heiklen Balanceakt. Als neue Präsidentin der US-Notenbank steht sie einem Gremium vor, in dem die Meinungen weit auseinandergehen. Mit Richard Fisher, dem Chef der Fed-Distriktnotenbank Dallas, und Charles Plosser (Philadelphia) sind seit Anfang Jahr zudem zwei ausgesprochene Falken bei geldpolitischen Entscheiden stimmberechtigt. Sie haben ihren harten Standpunkt bei der Inflationsbekämpfung nun deutlich zum Ausdruck gemacht, wie das Protokoll zur letzten Fed-Sitzung schliessen lässt.

Noch zählen Fisher und Plosser mit ihrer Ansicht allerdings zur Minderheit. Im Vorsitz des Federal Reserve überwiegt weiterhin die Meinung, dass die amerikanische Wirtschaft bis weit ins nächste Jahr hinein auf eine unkonventionelle Geldpolitik mit supertiefen Zinsen angewiesen ist. Entsprechend führten «andere Mitglieder» im Fed-Gremium Hardlinern wie Fisher und Plosser entgegen, «dass Rezepte aus der regulären Geldpolitik unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht angebracht sind».

Wallstreet reagiert kühl

An Wallstreet dämpften die Nachrichten aus der US-Notenbank die Stimmung. Der US-Leitindex S&P 500 (S&P 500 4'245.70 +0.18%) büsste nach der Veröffentlichung der Fed-Sitzungsunterlagen Terrain ein und notierte zu Börsenschluss 0,7% im Minus auf 1828,75. Das, nachdem er im frühen Handel zunächst sogar kurz mit der Rekordmarke von Mitte Januar geflirtet hatte. Am Bondmarkt zog die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen auf 2,73% an, wobei sie zur Handelseröffnung nach enttäuschenden Zahlen aus dem Immobiliensektor anfänglich auf 2,68% gesunken war. Deutlich fester tendierte ebenso der Dollar.

Anders als von manchen Investoren erhofft lassen sich dem Sitzungsprotokoll keine Hinweise entnehmen, dass die US-Notenbank beim Herunterfahren von QE3 allenfalls doch pausieren könnte. So sprachen sich «mehrere Teilnehmer» im Fed-Vorsitz für den bisherigen Fahrplan aus, «die Wertschriftenkäufe an jeder Sitzung um 10 Mrd. $ zu reduzieren». An ihrem Treffen vom Januar hatten die US-Währungshüter einstimmig dafür votiert, den monatlichen Erwerb von verbrieften Hypotheken und lang laufenden US-Staatsanleihen von 75 auf 65 Mrd. $ zu senken.

Demnach ist für die kommende Sitzung der US-Notenbank vom 18. und 19. März mit der nächsten Drosselung auf 55 Mrd. $ zu rechnen. Investoren wird vor allem interessieren, ob das Fed die zuletzt schwächeren Daten aus der US-Konjunktur primär dem aussergewöhnlich harschen Winter zuschreibt oder ob es Anzeichen für eine generell nachlassende Dynamik sieht. Zu Jahresbeginn waren die Währungshüter noch der Ansicht, dass «die Wirtschaft in den nächsten Quartalen in moderatem Tempo expandieren» werde und dass die Probleme in den Schwellenländern «bislang nur einen limitierten Effekt» hätten.

Uneinigkeit zur Zinsprognose

Umso genauer wird Wallstreet hinhören, was Fed-Chefin Yellen zur Zinsprognose sagen wird. Bislang hat die US-Notenbank zwar bekräftigt, dass sie die Federal Funds Rate noch lange über den Zeitpunkt hinaus auf nahezu null belassen werde, nachdem die Arbeitslosenquote auf 6,5% sinke. Diese Schwelle in der Zinsprognose weiterhin explizit zu erwähnen, erscheint jedoch kaum mehr sinnvoll, zumal die Arbeitslosenrate in den vergangenen Monaten überraschend schnell zurückgegangen ist und im Januar bereits 6,6% erreicht hat.

Mit Blick auf die Entwicklung am Jobmarkt war sich der Fed-Vorsitz an seinem letzten Treffen deshalb einig, «dass eine Änderung der Zinsprognose bald angebracht ist». Wie die Währungshüter dabei aber im Detail vorgehen wollen, ist unter ihnen umstritten. Gemäss dem Sitzungsprotokoll könnten fortan auch Faktoren wie Inflation, die Stabilität der Finanzmärkte oder der Konjunkturausblick der US-Notenbank in die Zinsprognose einbezogen werden.