Märkte / Makro

Fed setzt auf Vernebelungstaktik

Die amerikanische Notenbank belässt den Leitzins unverändert. Es bleibt unklar, ob es dieses Jahr überhaupt noch zu einer Straffung der Geldpolitik kommt.

Das Verwirrspiel geht weiter. Im Zinsentscheid vom Mittwoch bleibt das Federal Reserve bewusst vage, wie es in den kommenden Monaten mit der Geldpolitik weitergehen soll. Entsprechend uneinheitlich ist die Reaktion an Wallstreet.

Seit dem vergangenen Treffen von Mitte September hat die US-Notenbank ihre Einschätzung zur Wirtschaftslage in zwei Punkten geändert. Einerseits heisst es in ihrer Mitteilung nun, dass sich «das Tempo des Jobwachstums verringert hat und die Arbeitslosenrate stabil geblieben ist».

Das ist eine leicht vorsichtigere Haltung, hatte das Fed zuletzt doch von einer weiteren Aufhellung am Stellenmarkt und einer sinkenden Arbeitslosenquote gesprochen. Diese belief sich im September auf 5,1%, während das Stellenwachstum überraschend deutlich auf 142’000 abgenommen hatte.

China bleibt unter Beobachtung

Etwas zuversichtlicher sind die Währungshüter andererseits, was die weltweite Grosswetterlage betrifft. An der letzten Sitzung warnten sie, dass die «jüngsten globalen ökonomischen und finanziellen Entwicklungen die Wirtschaftsaktivität dämpfen könnten und auf kurze Sicht wohl noch mehr Druck auf die Teuerung ausüben werden».

Dieser Passus ist nun vollständig aus dem Statement gestrichen worden. Vor allem die Angst vor einem schweren Konjunktureinbruch in China hat sich an den Finanzmärkten gelegt. Allerdings werde der Fed-Vorsitz «weiterhin die Vorgänge in Übersee überwachen», steht im Communiqué.

Notenbankchefin Janet Yellen und ihre Kollegen lassen sich damit alle Optionen offen. «Um zu bestimmen, ob es an der nächsten Sitzung angebracht ist, den Leitzins zu erhöhen, wird das Komitee Fortschritte mit Blick auf das Ziel von Vollbeschäftigung und 2% Inflation beurteilen», heisst es neu.

Aktienbörsen schliessen fester

An Wallstreet wirft das mehr Fragen als Antworten auf. «Das Statement zur Oktobersitzung spurt unserer Ansicht nach keinen klaren Kurs vor, weder für Dezember noch für 2016», meinen beispielsweise die Ökonomen der Bank Barclays.

Die Reaktion an den Märkten ist denn auch uneinheitlich. Die Börsen in New York gaben unmittelbar nach dem Zinsentscheid nach, zogen dann aber kräftig an. Der Leitindex S&P 500 ging am Mittwoch mit einem Plus von 1,2% auf 2090,35 aus dem Handel. Verglichen mit dem Stand von Anfang Jahr notiert er 1,5% im Plus und hat die Scharte der Korrektur von Ende August praktisch ausgewetzt.

Dollar wertet sich auf

Im Kontrast dazu steht die Reaktion an den Devisenmärkten. Der Dollar verteuerte sich gemessen an den wichtigsten Währungen fast 1% und nahm die Parität zum Franken ins Visier. Zu 0.9936 $/Fr. handelt er auf dem höchsten Stand seit Mitte März. Am Bondmarkt stieg die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen 6 Basispunkte auf 2,09%.

Mit Ausnahme von Jeffrey Lacker, dem Präsidenten der Distriktnotenbank  Richmond, votierten alle stimmberechtigten Mitglieder im Fed-Gremium dafür, die Zinsen unverändert auf null zu belassen. Inzwischen bewegt sich die Federal Funds Rate fast sieben Jahre auf rekordtiefem Niveau.

Bis zum nächsten Treffen von Mitte Dezember werden den Währungshütern zwei weitere Berichte zum Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wichtige Impulse könnte am Donnerstag zudem die erste Lesung des Bruttoinlandprodukts zum dritten Quartal geben. Gemäss dem Echtzeitindikator der Fed-Distriktnotenbank Atlanta ist die US-Wirtschaft von Juli bis September nur 1,1% expandiert.

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