Meinungen

Das Fed tut, was es kann

Der Finanzmarkt braucht weitere Massnahmen. Ein Kommentar von USA-Korrespondent Martin Lüscher.

«Die US-Notenbank zeigt mit seiner Aktion, dass es aus der Finanzkrise gelernt hat.»

Am Sonntag sorgte Fed-Chef Jerome Powell für Schlagzeilen. An einer ausserordentlichen Sitzung des Offenmarktausschusses senkte die amerikanische Zentralbank den Leitzins einen Prozentpunkt auf null und sorgte mit weiteren Massnahmen für Liquidität. Wer bis dahin noch gehofft hatte, die Folgen des Coronavirusausbruchs blieben überschaubar, sah sich nun in die Finanzkrise von 2008 und 2009 zurückkatapultiert. Doch die Notmassnahmen haben auch positive Aspekte.

Das Fed zeigt mit seiner Aktion, dass es aus der Finanzkrise gelernt hat. Denn droht die Liquidität zu versiegen, ist schnelles Handeln erste Priorität. Die Währungshüter wollten nicht auf den nächsten Handelstag oder den Termin der ordentlichen Sitzung vom Mittwoch warten. Zudem ist das Fed lernfähig: Es hatte bereits ab Donnerstag versucht, die Liquidität in den Märkten für amerikaniche Staatsanleihen und hypothekengesicherte Papiere mit mehreren Billionen Dollar zu verbessern. Doch das funktionierte nicht wie gewünscht. Auch die ­Anpassung am Freitag enttäuschte. ­Darum agierte das Fed am Sonntag.

Die Währungshüter erfüllten am Sonntag auch nicht einfach die Erwartungen der Marktteilnehmer, sondern gingen darüber hinaus. So senkten sie den Zins für das Diskontfenster gar noch weiter als während der Finanzkrise. Diese Fazilität zielt auf kleinere und mittelgrosse Banken. Zuversichtlich stimmt zudem, dass das Fed nicht allein agiert. Eine Vielzahl anderer Zentralbanken kündigte in den vergangenen Tagen Lockerungsmassnahmen ab. 

Am Sonntag gab es gar eine Koordination. Das Fed, die Europäische Zentralbank, die Bank of England, die Bank of ­Japan, die Bank of Canada und die Schweizerische Nationalbank senkten die Preiskonditionen der bestehenden US-Dollar-Swap-Abkommen. Damit wollen sie die US-Dollar-Liquidität an den globalen Kapitalmärkten stärken. Das Ziel ist klar: Die Kreditversorgung an ­Unternehmen und Haushalte soll auch in den turbulenten Zeiten der Coronaviruspandemie aufrechterhalten werden. 

Entspannt hat sich die Lage deswegen aber nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wie ein Blick auf den Kreditmarkt zeigt, schossen Kreditausfallprämien am ­Montag auf ein Mehrjahreshoch. Betroffen davon sind nicht nur Papiere von Schuldnern von schwacher Kreditqualität, sondern auch solche von hoher Bonität. Stress gibt es zudem im Markt für Geldmarktpapiere. Über diesen nehmen Gesellschaften Cash auf, um kurzfristige Ausgaben zu decken. Als Gegenpartei fungieren meist Geldmarktfonds. Aus Furcht vor Abflüssen hielten sich diese aber zurück. 

Um einen Liquiditätsengpass zu ­vermeiden, griffen die Währungshüter am Dienstag dem Geldmarkt unter die Arme. Das Fed kündigte an, kurzfristige Papiere aufkaufen zu wollen. Das wird nicht der letzte überraschende Eingriff des Fed im Kapitalmarkt gewesen sein. Denn nur ein einziger Fehler genügt schon, und das ­Finanzsystem gerät aus den Fugen.

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