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Das Fed wagt sich an den Abbau der Bilanz

Die US-Notenbank legt zum ersten Mal konkrete Pläne zur Reduktion ihres riesigen Portfolios an Wertschriften vor. Zudem hebt sie den Leitzins erwartungsgemäss weiter an.

Es wird eines der grössten Rückzugsmanöver in der Geschichte der Geldpolitik: Bald zehn Jahre nach der Finanzkrise nimmt das Federal Reserve den Abbau seiner Bilanz in Angriff. Im Anschluss an die Sitzung vom Mittwoch hat die US-Notenbank erstmals genauere Angaben zu dieser heiklen Operation gemacht.

«Ich hoffe und erwarte, dass es nur eine sehr geringe Reaktion darauf geben wird, wenn wir mit diesem Plan beginnen», sagte Fed-Chefin Janet Yellen an der Pressekonferenz. «Das ist ein Prozess, der für einige Jahre einfach ruhig im Hintergrund laufen wird.»

Durch die Stimulusprogramme QE1 bis QE3 hat sich die Bilanz des Fed auf rund 4500 Mrd. $ aufgebläht. Rund 4200 Mrd. $ davon sind langfristige Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken. Sind diese Wertschriften ausgelaufen, hat das Fed die Einnahmen daraus bislang in den Kauf neuer Papiere reinvestiert, womit die Bilanzsumme konstant geblieben ist.

Vorsichtiger Start

Das wird sich künftig ändern. Um mit dem Abbau des Wertschriftenportfolios zu beginnen, wird das Fed zunächst 6 Mrd. $ pro Monat weniger in den Kauf von Staatsanleihen reinvestieren. Im Fall verbriefter Hypotheken sind es 4 Mrd. $ weniger. Diese Beträge werden dann alle drei Monate erhöht, bis eine monatliche Obergrenze von 30 Mrd. $ bei Staatsanleihen und von 20 Mrd. $ bei Hypotheken erreicht ist.

«Das Fed beginnt sehr moderat mit dem Abbau der Bilanz. Das zeigt, wie unsicher es sich über die mögliche Reaktion der Finanzmärkte ist», meint Ian Shepherdson vom Researchdienst Pantheon Macroeconomics. Zum Vergleich: Im Zug des Stimulusprogramms QE3 hat die US-Notenbank zu Spitzenzeiten jeweils insgesamt 80 Mrd. $ an Wertschriften pro Monat zugekauft.

Wann genau der Fed-Vorsitz mit der Verkürzung der Bilanz beginnen will, hat er noch nicht entschieden. «Das Gremium erwartet derzeit, das Verkürzungsprogramm dieses Jahr zu implementieren, vorausgesetzt, die Wirtschaft entwickelt sich ungefähr den Erwartungen entsprechend», heisst es im Statement.

Leitzins steigt über 1%

Zu den heikelsten Punkten gehört, den Abbau mit der Zinspolitik zu koordinieren. Sie solle weiterhin das Hauptinstrument der Geldpolitik bleiben, bekräftigte Fed-Chefin Yellen. Wenn sich die Konjunktur im Verlauf des Bilanzprogramms abschwächen würde, könne das Tempo des Rückbaus jedoch jederzeit adjustiert werden, meinte sie.

Wie erwartet hat das Fed das Zielband für den Leitzins am Mittwoch weiter um einen Viertelprozentpunkt auf 1 bis 1,25% angehoben. Es ist bereits die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr und insgesamt die vierte seit der Finanzkrise. Erstmals seit dem Jahr 2008 bewegen sich die kurzfristigen Zinsen in den USA damit wieder über 1%.

Sorgen um Inflation

In ihrer Einschätzung zur Konjunktur gibt sich die US-Notenbank zwar weiterhin optimistisch. «Das Stellenwachstum hat sich etwas gemässigt, ist im Durchschnitt seit Anfang Jahr aber solid geblieben», heisst es in der Mitteilung zum Zinsentscheid. Die Inflation werde sich voraussichtlich in der kurzen Frist unter dem Ziel von 2% bewegen, sollte sich dann aber stabilisieren, steht darin weiter.

Gerade Sorgen um ein Abklingen der Teuerung haben am Mittwoch jedoch die Bondmärkte in Aufruhr gebracht. Nach enttäuschenden Daten zur Entwicklung der Konsumentenpreise und zum Absatz im Einzelhandel ist die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen auf 2,14% eingebrochen, was dem tiefsten Stand seit den US-Wahlen am 8. November entspricht. Ebenfalls deutliche Einbussen verzeichnete der Ölpreis.

Die ungewisse Entwicklung der Teuerung mag ein Grund dafür sein, dass das Fed-Gremium den Zinsausblick weitgehend unverändert belassen hat. Wie bisher rechnen die Mitglieder für 2017 im Schnitt mit einer weiteren Zinserhöhung und drei bis vier zusätzlichen Schritten im kommenden Jahr. An den Terminmärkten werden die Chancen inzwischen sogar nur noch auf 50/50 beziffert, dass es dieses Jahr noch zu einer abermaligen Straffung kommt.

US-Aktien halten sich stabil

An den Börsen in New York fiel die Reaktion auf den Fed-Entscheid eher gelassen aus. Der S&P 500 bewegte sich zunächst kaum, schwankte dann im Verlauf von Yellens Pressekonferenz etwas und ging 0,1% tiefer auf 2438 aus dem Handel. An den Devisenmärkten stabilisierte sich der Dollar, während der Goldpreis leicht verlor.

Fast alle Mitglieder im Fed-Gremium haben für die Zinserhöhung und den Plan zum Abbau der Bilanz votiert. Für einen milderen Kurs stimmte nur Neel Kashkari, der Präsident der Distriktnotenbank Minneapolis. Ihre nächste Sitzung halten die amerikanischen Währungshüter am 25. und 26. Juli ab.

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