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Abbau der Fed-Bilanz sorgt für Kontroverse

Die US-Notenbank ist sich uneinig, wann sie mit der Reduktion des gigantischen Wertschriftenportfolios beginnen soll. Das legt das Protokoll zur letzten Zinssitzung offen.

Christoph Gisiger, New York

Im Vorsitz des Federal Reserve gibt es Differenzen. Im Zentrum der Meinungsverschiedenheit stehen die rund 4200 Mrd. $ an Wertschriften, die sich auf der Bilanz der amerikanischen Notenbank aufgetürmt haben. Wie die Unterlagen zur letzten Sitzung der US-Währungshüter zeigen, können sie sich nicht darauf einigen, wann sie mit dem Abbau dieses riesigen Portfolios beginnen wollen.

«Mehrere zogen es vor, den Start für den Prozess in ein paar Monaten anzukündigen», heisst es dazu im Protokoll zum vergangenen Treffen des Fed-Gremiums. Andere Mitglieder hingegen betonten, dass mehr Zeit für eine Einschätzung der Konjunkturaussichten bleibe, «wenn ein Entscheid auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr aufgeschoben werde», steht in den Aufzeichnungen zur Sitzung von Mitte Juni weiter.

Heikles Unterfangen

Das Federal Reserve hatte vor drei Wochen erstmals Pläne zum Bilanzprogramm veröffentlicht. Demnach will die US-Notenbank den Ertrag aus auslaufenden Staatsanleihen und verbrieften Hypotheken in ihrem Portfolio nicht mehr in neue Anlagen reinvestieren und es so graduell schrumpfen. Um an den Finanzmärkten keine Turbulenzen auszulösen, soll die Reduktion zunächst in kleinen Schritten beginnen, worauf das Tempo sachte erhöht wird.

«Ich hoffe und erwarte, dass es nur eine sehr geringe Reaktion geben wird, wenn wir mit dem Plan zur Bilanz beginnen», sagte Janet Yellen damals an der Pressekonferenz. «Das ist ein Prozess, der für einige Jahre einfach ruhig im Hintergrund laufen wird.»

Zum Start der Bilanzverkürzung will das Fed zunächst 6 Mrd. $ pro Monat weniger in den Kauf von Staatsanleihen reinvestieren. Im Fall verbriefter Hypotheken sind es 4 Mrd. $ weniger. Diese Beträge werden dann alle drei Monate erhöht, bis eine monatliche Obergrenze von 30 Mrd. $ bei Staatsanleihen und von 20 Mrd. $ bei Hypotheken erreicht ist.

Diskussion über Arbeitsmarkt

Das Timing zum Beginn des Bilanzabbaus ist nicht die einzige Frage, über die sich die Währungshüter uneins sind. Für Diskussionen sorgt ebenso die Lage am Jobmarkt. Dort ist die Arbeitslosenquote im Mai weiter auf 4,3% gefallen. Das entspricht dem tiefsten Stand seit Frühling 2001 und einem Niveau, das in den USA als Vollbeschäftigung gilt.

Wie aus dem Protokoll hervorgeht, sprachen sich mehrere Sitzungsteilnehmer für einen geldpolitischen Ansatz aus, bei dem sich die Arbeitslosenquote «für einen längeren Zeitraum» unter dem Grenzwert der maximalen Beschäftigung bewegt. Demgegenüber äusserten andere Fed-Mitglieder «Bedenken», dass es dadurch zu «finanzieller Instabilität oder zu einem plötzlichen Anstieg der Inflation» kommen könnte.

Eine zentrale Rolle in der Diskussion spielt ebenso die Zinspolitik, die das Fed mit dem Rückbau der Bilanz koordinieren muss. Am letzten Treffen hat Yellen das Zielband für die Federal Funds Rate abermals um 25 Basispunkte auf 1 bis 1,25% erhöht – die vierte Straffung seit der Finanzkrise. Bis Ende Jahr stellt das Fed einen weiteren Zinsschritt in Aussicht, wobei auch hier das genaue Timing umstritten ist.

Was sagt Yellen vor dem Kongress?

An der Terminbörse CME wird damit gerechnet, dass es wegen der unsicheren Konjunkturaussichten frühestens Ende Jahr zur nächsten Zinserhöhung kommt. Demnach könnte das Fed an der Sitzung von Mitte September zunächst den Startschuss zur Bilanzverkürzung geben, die als weniger strenge Straffungsmassnahme erachtet wird. Das, zumal die Reduktion in der Anfangsphase monatlich nur 10 Mrd. $ betragen wird.

Neue Anhaltspunkte könnten die Jobdaten am Freitag geben. Ökonomen erwarten, dass die US-Wirtschaft im Juni knapp 180’000 Stellen geschaffen hat und die Arbeitslosenquote auf 4,3% verharrt ist. Interessant wird zudem sein, was Fed-Chefin Yellen kommende Woche während ihrer Anhörung vor dem Kongress sagt. Ende August findet dann das Symposium von Jackson Hole statt, an dem in der Vergangenheit auch schon geldpolitische Schlüsselentscheide signalisiert worden sind.

An Wallstreet wurden die Nachrichten aus dem Federal Reserve gelassen bis freundlich aufgenommen. Der Leitindex S&P 500 avancierte am Mittwoch 0,2% und ging auf 2432,54 aus dem Handel. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen sank leicht auf 2,33%, nachdem sie in den vergangenen Tagen spürbar angezogen hatte. Der Dollar notierte praktisch unverändert, während Gold etwas fester tendierte.

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