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Märkte / Makro

Das Federal Reserve geht auf Kollisionskurs

US-Präsident Donald Trump will die Konjunktur zum Heisslaufen bringen. Doch genau dem beugt die Notenbank jetzt vor. Ein Konflikt ist programmiert.

Noch ist es an der Oberfläche auffällig ruhig. Mit der dritten Zinserhöhung seit der Finanzkrise hat das Federal Reserve diese Woche einen wichtigen Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik absolviert. Die Märkte reagieren wohlwollend, bekräftigt Notenbankchefin Janet Yellen doch, mit Umsicht vorzugehen. Sie macht aber auch deutlich, dass sie die Zügel weiter straffen will. Den Plänen von Donald Trump könnte das bald in die Quere kommen.

Der neue Präsident hat seit dem Antritt viel Kritik geerntet. Was die Wirtschaft betrifft, scheint jedoch alles optimal zu laufen. Die Börsen in New York sind seit den Wahlen mehr als 10% vorgeprescht. Der US-Aktienmarkt hat rund 3200 Mrd. $ an Wert gewonnen, wie Trump auf Twitter (TWTR 20 -0.55%) herausposaunt. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich robust. Haushalte und Unternehmen sind so zuversichtlich wie seit Jahren nicht mehr. Seit dem Abklingen der Rezession im Sommer 2009 keimt erstmals auf breiter Front Hoffnung auf einen dauerhaften Aufschwung.

Potenzial für Enttäuschungen

Ob die Wirtschaft tatsächlich Tritt fasst, ist allerdings offen. «Harte» Daten zeigen bisher kaum eine Veränderung an. Das Prognosemodell der Fed-Distriktnotenbank Atlanta etwa schätzt das Wirtschaftswachstum für das erste Quartal nur auf 0,9%. «Das wäre bereits das sechste Quartal in einem Zeitraum von zwei Jahren, in dem die Konjunktur 2% oder weniger expandiert», bemerkt Marktstratege David Rosenberg von Gluskin Sheff. «Die Börsen glauben zwar, dass Trump ein massives Stimulusprogramm lancieren wird. Das angespannte Verhältnis im Kongress macht aber deutlich, dass es zu Verzögerungen kommt», warnt Rosenberg.

Schleicht die Wirtschaft weiterhin vor sich her, wird Trump einen Sündenbock suchen. Das gilt ebenso, falls es an den Märkten zu Turbulenzen kommt, zumal er sich das Verdienst für die kräftigen Kursavancen angerechnet hat. Das Federal Reserve bietet ein leichtes Ziel. Die Notenbank will eine Belebung der Konjunktur zwar nicht abwürgen. Es soll aber auch keine Überhitzung oder einen Inflationssprung geben. Für dieses Jahr stellt das Fed deshalb zwei weitere Zinserhöhungen in Aussicht. Nach Ansicht vieler Ökonomen könnten daraus sogar drei werden.

Als Präsident hat sich Trump bisher noch nicht zur Geldpolitik geäussert. Traditionell vermeidet das Weisse Haus offene Konfrontationen mit der Spitze der Notenbank. Trumps Attacken auf den Geheimdienst, die Justiz und andere staatliche Institutionen demonstrieren jedoch, dass er von Konventionen in Washington wenig hält. Hinzu kommt, dass die Offensive des Fed Verschwörungstheorien bereits Nahrung gibt: Im Vergleich zu vorangegangenen Zinszyklen haben sich die Währungshüter bis zu Trumps Antritt übervorsichtig verhalten. Wollen die Bürokraten im Fed jetzt seine Präsidentschaft ruinieren, indem sie mit den Zinsen plötzlich aufs Tempo drücken?

«Komplizin» von Hillary

«Inzwischen ist ziemlich offensichtlich, dass kritische Stimmen in der neuen Regierung nicht goutiert werden und akademisches Denken in wirtschaftspolitischen Diskussionen wenig Achtung geniesst», meint David Kotok, Chef der Anlagegesellschaft Cumberland Advisors. «Das bedeutet, dass sich ein steigendes Risiko mit Blick auf die Geldpolitik entwickelt», fügt er hinzu. Nicht vergessen ist, dass Trump während seiner Kampagne Fed-Chefin Yellen scharf angegriffen hat. Unter anderem behauptete er, sie halte als Komplizin von Hillary Clinton die Zinsen aus «politischen Gründen» absichtlich tief. Auch liess er durchblicken, dass er Yellens Position nicht bestätigen werde, wenn ihre Amtszeit im Februar 2018 ausläuft.

Die siebzigjährige Ökonomin, die wie Trump aus New York stammt und demokratisch wählt, gibt sich derweil diplomatisch. Wie sie am Mittwoch an der Pressekonferenz sagte, hat in den vergangenen Tagen ein «sehr kurzes Treffen» mit dem Präsidenten stattgefunden, das sie begrüsst habe. Mit Schatzminister Steven Mnuchin habe sie zudem «gute Diskussionen» über die Wirtschaft und das regulatorische Umfeld geführt. Für dieses Wochenende ist sie mit ihm zum G-20-Meeting der Finanzminister und Notenbankchefs nach Baden-Baden gereist.

Zu ersten personellen Veränderungen im Federal Reserve könnte es bereits in den nächsten Wochen kommen. Mit dem angekündigten Rücktritt von Daniel Tarullo stehen ab Anfang April drei Positionen im siebenköpfigen Gouverneursrat der Notenbank offen. Dazu zählt der Posten des Fed-Vizepräsidenten zur Aufsicht des Finanzsektors. Mit David Nason, einem Branchenkenner aus den Reihen der GE-Finanzsparte, hat sich nun einer der Favoriten aus dem Rennen genommen. Wem Trump die Stelle zuspricht, wird Investoren einen ersten Anhaltspunkt über die künftige Ausrichtung der mächtigsten Notenbank geben.