Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier FuW-Value-Portfolio
Märkte / Aktien

Das FuW-Value-Portfolio behauptet sich

In einem schwierigen Umfeld für Value-Anlagen gewinnt das Portfolio währungsbereinigt 2% an Wert. Die Aktien der Google-Mutter Alphabet kommen neu dazu.

Erfolgreiche Aktien können nicht ­«value» sein? Doch, sie können. ­Alphabet sind ein Beispiel, weshalb die Class-A-Titel mit dem Kürzel GOOGL neu in das FuW-Value-Portfolio kommen. Seit der letzten Umschichtung des Port­folios sind sie zwar schon gestiegen. Doch mit einem Verhältnis aus Unternehmenswert und Ebitda von 13 für 2020 ist ihre Bewertung weiterhin attraktiv angesicht von Ebitda-Margen jenseits von 40% und eines Umsatzes, der zügig steigt. Günstiger als Apple und auch als Microsoft sind Alphabet obendrein.

Ebenfalls neu ins Portfolio aufgenommen werden die Aktien des Spirituosenherstellers Pernod Ricard und die Titel von Fresenius Medical Care, des führenden Anbieters von Produkten und Dienstleistungen rund um die Dialyse (Blutreinigungsverfahren für Menschen mit Nierenversagen).

Blutreinigung und Alkohol

Auch Fresenius Medical Care haben sich jüngst gut entwickelt, weisen zur eigenen Historie wie zum weiter gefassten Gesundheitssektor aber immer noch einen Bewertungsabschlag auf. Zwei Gewinnwarnungen im Herbst 2018 haben die lang­jährige Prämie zum Konkurrenten DaVita in einen Abschlag verwandelt. Das wird nicht so bleiben. Das Anlegervertrauen kommt zurück, die Anzeichen mehren sich, dass die vor knapp einem Jahr abgegebene Guidance für 2020 an der Bilanzkonferenz bestätigt wird. Die Marktaussichten sind grundsätzlich gut. Sie versprechen ein solides Umsatzwachstum und eine überproportionale Gewinnsteigerung. Das Risiko einer Veränderung der Rahmenbedingungen im Hauptmarkt USA ist freilich ein steter Begleiter im Bereich der ­Dialyse.

Pernod Ricard erachten wir namentlich zu Davide Campari-Milano und Rémy Martin als klar unterbewertet. Über die letzten zwei Jahre haben sie gar relativ zum europäischen Gesamtmarkt etwas eingebüsst. Aktuell steht die Spirituosenbranche unter dem Bann des neuesten Coronavirus. Grundsätzlich ist ein KGV von 21 für 2020/21 jedoch wenig für eine Gesellschaft, die wächst, in der Ebitda-Marge mehr als 30% erreicht, den Gewinn überproportional zum Erlös steigert und gemessen daran 14 bis 16% freien Cashflow generiert. Erst recht gilt das mit Blick auf die mittelfristigen Ambitionen. Sie zielen auf 4 bis 7% organisches Wachstum und eine Steigerung der operativen Marge um jährlich 50 bis 60 Basispunkte.

Um die Zugänge zu finanzieren, ist zum einen der Barmittelbestand weiter abgebaut worden. Zum andern haben wir in Europa CNH Industrial (nach wie vor gedämpfte Aussichten für die relevanten Branchen) sowie TUI verkauft. Letztere wurden zwar erst im April 2019 aufgenommen zum Kurs von 8.53 £. Der darauffolgende Aufstieg währte allerdings nur kurz, und inzwischen macht TUI auch noch das Coronavirus zu schaffen. In Nordamerika trennen wir uns ferner von Oracle und verkleinern wir die Position in Cisco Systems. Da wie dort erachten wir das Kurspotenzial als limitiert. Alle vier ­Titel haben schon in den letzten drei Monaten keinen Wertbeitrag mehr geleistet.

Impulse aus Nordamerika

Der Gesamtwert des FuW-Value-Portfolios hat sich zum Stand von Ende Oktober kaum verändert. Einzelne kräftige Kursausschläge wurden durch die Diversifizierung ausgeglichen. Für die drei Monate bis Ende Januar resultiert ein Total Return von –0,2%. Das ist zwar ­weniger als die Referenzindizes S&P 500 (+8,3%), Stoxx Europe 50 (+3,8) und SMI (+4,8) jeweils auf Total-Return-Basis erreicht haben – Investoren bevorzugen derzeit ausgeprägte Wachstumstitel oder meist teure, defensive Qualität. Im Value-Universum braucht sich die Performance aber nicht zu verstecken – umso weniger als sich zu konstanten Wechselkursen, also ohne Erstarken des Frankens, eine Wertsteigerung von 1,7% ergibt.

Wertmehrende Impulse kamen primär vom Nordamerika-Portfolio, das weitgehend ohne Industriewerte auskommt. Dagegen gibt es im Europa-Portfolio mehrheitlich Einbussen zu verzeichnen, darunter mit Continental, TUI und Andritz – einem Zugang in der Umschichtung von Ende Oktober – auch herbe Enttäuschungen. Generell tun sich die Neulinge der Anpassungsrunde von Ende Oktober noch schwer. Ausser Andritz sind das ­Corteva und Saint-Gobain. Gelohnt hat sich dagegen, in Roche aufzustocken. Das Unternehmen ist gut in Form, und die Aktien haben weiterhin Potenzial. Der Pharmawert ist mit einem Wertanteil von 6,1% inzwischen die gewichtigste Position im FuW-Value-Portfolio.

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