Das Paradies liegt an der Grenze zwischen den Kantonen Waadt und Freiburg. Sanfte, grüne Hügel, saftige Mischwälder, dazwischen steht das Gras hoch. Grillen zirpen, der Wind schluckt den Lärm der Landstrasse. Bis auf ein paar Häuser und den Kiesweg unter den Füssen gibt es in Sichtweite keinen Hinweis auf menschliche Einflussnahme. «Hier liegt das letzte Stück unbebautes Mittelland», sagt Olivier Mayor.

In der Region Broye hat die Familie Rouge vor rund vierzig Jahren den Grundstein für eine spezielle Naturschutzzone gelegt. 120 Hektar Land sind komplett geschützt: «Keine chemischen Dünger, keine Pestizide, kaum Tierhaltung.» Landwirt Mayor ist einer von fünf Bauern, die trotz Pflichtenheft im Schutzgebiet von Henniez wirtschaften – und experimentieren. Wenige hundert Meter weiter stehen frisch gepflanzte Bäumchen, rare Sorten und bisher fremde Arten wie Mandeln.
Die Natur holt sich Stück für Stück die Landschaft zurück. Mittendrin: die Henniez-Quellen, mittlerweile im Besitz des Milliardenkonzerns Nestlé.

250 Mio. Flaschen

In der Fabrik auf der anderen Seite des 400-Seelen-Dorfs Henniez ist die Idylle weit weg. Das in der Schutzzone gesammelte Wasser wird in einer lärmigen Halle abgefüllt, in kleine, grosse, Glas- und PET-Flaschen. Zwischen den Maschinen und den Förderbändern stehen Aufpasser in orangen Westen. Alles ist automatisiert. 250 Mio. Flaschen füllt Nestlé Waters jährlich in Henniez ab: 90 Mio. davon sind ­lokales Wasser, darunter sind aber auch Granini und Hohes C für die Schweiz.

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