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Das grosse Bibbern der Fondsmanager

Die Angst vor dem globalen Handelsstreit bleibt auch im Oktober ungebrochen. Deshalb favorisieren professionelle Anleger defensive Werte.

Mara Bernath

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt auch im Oktober auf die Stimmung der professionellen Anleger.  Das zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage von Bank of America (BAC 33.54 -1.7%) Merrill Lynch. Noch immer fürchten sich Investoren am stärksten vor dem sino-amerikanischen Handelsstreit («Trade War»). Genau wie im September lag die Nennungsrate bei 40%.

Hinter dem Handelskrieg folgt die Befürchtung, dass die Geldpolitik der Notenbanken an Wirkung verliert («Monetary Policy Impotence»), auf dem zweiten Rang. Weiterhin auf dem dritten Platz rangiert die Angst vor einer Preisblase an den Anleihenmärkten («Bond Market Bubble»).

Die Risikoaversion zeigt sich auch in der Portfolioallokation. Noch immer werden defensive Vermögenswerte übergewichtet, die anders als zyklische Anlagen weniger den Marktschwankungen ausgesetzt sind und in Krisenzeiten als sicherer Hafen gelten. Dazu zählen – neben hohen Bargeldpositionen («Cash») – etwa kotierte Immobilienfonds («REITs») und Basiskonsumtitel («Staples»). Vergleichsweise niedrig ist dagegen die Positionierung in konjunktursensitiven Branchen wie der Industrie («Industrials») oder dem Energiesektor («Energy»).

Bereits seit längerem eine wichtige Komponente im Portfolio der befragten Fondsmanager ist der Bargeldanteil. Im Oktober ist er weiter gestiegen. Er liegt neu bei 5%. Das ist 0,3% höher als im Vormonat, aber immer noch deutlich unter dem Höchststand von 5,7% im Juni.

Die Sorge um eine weitere Verlangsamung der globalen Konjunktur treibt die Befragten nach wie vor um. Allerdings gehen mit 31% nicht so viele der befragten Investoren wie auch schon davon aus, dass die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten eine technische Rezession erfährt – also zwei Quartale in Folge ein negatives Realwachstum aufweist.

Der Pessimismus bezüglich Weltkonjunktur ist unter anderem auf den globalen Handelskrieg zurückzuführen. 43% der Fondsmanager halten den Konflikt zwischen den USA und China für eine «neue Normalität», die nicht in absehbarer Zeit verschwinden wird. Derweil gehen 36% der Investoren davon aus, dass er vor den US-Präsidentschaftswahlen 2020 gelöst werden kann. Beide Werte liegen über denjenigen vom September.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass ein Ende des Handelskriegs den Aktienmärkten in den nächsten sechs Monaten am meisten Auftrieb verleihen würde. Abgeschlagen auf den weiteren Plätzen rangieren fiskalische Stimulusmassnahmen in Deutschland («German Fiscal Stimulus»), eine Senkung der Leitzinsen in den USA um 50 Basispunkte sowie ein Infrastrukturpaket in China.

Der Pessimismus der befragten Fondmanager zeigt sich auch auf Ebene der Unternehmen. 35% von ihnen gehen davon aus, dass global gesehen die Unternehmensgewinne («Profit Expectations») über die nächsten zwölf Monate weiter sinken werden.

Derweil halten die professionellen Investoren die Konzernbilanzen noch immer für überstrapaziert («Overleveraged»). Netto erklären 48% der befragten Anleger – unverändert gegenüber dem Vormonat –, dass die Gesellschaften zu viel Fremdkapital aufgenommen haben.

Der Wunsch der Fondsmanager, dass die Unternehmen Schulden abbauen sollen, notiert mit 43% weiterhin auf dem Spitzenplatz. 39% der Umfrageteilnehmer sähen es am liebsten, wenn die Anlageinvestitionen («Capital Spending») erhöht würden. Den Wunsch nach einer Rückführung liquider Mittel an die Aktionäre über Dividenden oder Aktienrückkäufe äussern nur 14%.