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Das Imperium des Martin Ebner

Peter Schuppli

Vor 15 Jahren hat Martin Ebner mit der Gründung der BZ Bank den Grundstein für das heute auf weit über 30 Mrd.Fr. zu schätzende Beteiligungsimperium gelegt. Eine Handvoll potenter Investoren beauftragte ihn mit Vermögensverwaltung, zudem spezialisierte er sich auf das Brokerage. Aus der kleinen, an idyllischer Lage in der Zürcher Altstadt agierenden Privatbank ist ein Machtzentrum entstanden. Aus dem damals scheuen, die Publizität meidenden Analysten, Investor und Bankier wurde einer der finanzkräftigsten Schweizer, der, so ist der Eindruck, fast jeden Stein in der einheimischen Unternehmenslandschaft bewegen kann.
Ebner war es auch, der 1985 die erste Stillhalteroption – auf Ciba-Geigy-Aktien ausgegeben – emittierte und damit die Konzernleitung in Basel in Aufregung versetzte. Diese kritisierte, sie sei von Ebner nicht angefragt worden und – bar jeden Verständnisses für die Mechanismen und Instrumente der Börse – wünsche es auch nicht, dass eine Bank Optionen auf ihren Aktien ausgebe. 1988 wirkte Ebners BZ Bank massgebend mit in der Plazierung von Aktien der von Merrill Lynch (im Auftrag von Roche
) gegründeten Pharma Vision 2000. Zweck dieser Beteiligungsgesellschaft war es, das von ICN-Gründer Milan Panic gehaltene Aktienpaket der Roche in die Schweiz und hier in einen «sicheren Hafen» zu führen. Dank seiner eigenen Kapitalkraft sowie der von Kunden und Freunden verstärkte Ebner den Einfluss in der Pharma Vision sukzessive, bis er schliesslich dieses Unternehmen beherrschte. Mit diversen Transaktionen zwischen der Pharma Vision und der BZ Gruppe Holding gelangte die von ihm kontrollierte Holding in den Besitz von 16% der Aktienstimmen von Roche. Davon leitet er den Anspruch auf einen Sitz im VR des Basler Pharmakonzerns ab.
Der Erfolg mit der Pharma Vision, die dem Investor im Durchschnitt jährlich eine Performance von 25,8% eintrug, ermunterte Ebner, drei weitere Beteiligungsgesellschaften nach demselben Muster ins Leben zu rufen: die BK Vision, die Stillhalter Vision und die Gas Vision. Diesen war allerdings unterschiedlicher Erfolg beschieden. Für die «inhaltlose» Gas Vision wird gar ein neuer Verwendungszweck gesucht.
Die Bank auf der einen Seite, die der BZ Gruppe Holding Jahr für Jahr erkleckliche Dividendenbeträge eintrug, und der BZ Trust, der das Vermögen in den Visionen managt (wofür er erfolgsabhängig entschädigt wird), spülten der BZ-Gruppe Hunderte Millionen herein. Wie Ebner unter anderem mit bescheidenem Anteil Fremdkapital, dafür mit dem Leverage der Optionen sein Vermögen vermehrte, darf als genial bezeichnet werden. Mit der «Power of money» (Macht des Geldes) konnte der Freienbacher die Finanz- und Industrielandschaft in der Schweiz verändern, brach verkrustete Strukturen auf, enttabuisierte Themen, trat unerschrocken gegen Filz und Establishment auf und verliess jeden Börsencrash gestärkt.
Sein Credo, dass Eigentümer Verantwortung übernehmen sollten und dass umgekehrt Verwaltungsräte sich an ihren Unternehmen finanziell beteiligen sollten, befolgt Ebner neuerdings konsequent. Den Verwaltungsratsmandaten von ABB, Algroup und Lonza sollen zwei weitere folgen: CS Group und Roche. In beiden Unternehmen ist er der bedeutendste Einzelaktionär. Der Weg ins Aufsichtsgremium der CS Group scheint dabei weniger steil zu sein als der in den Olymp des Pharmakonzerns Roche (vgl. dazu Seite 19).
Ebners Einfluss auf führende schweizerische Unternehmen nimmt laufend zu. Das ist ein Faktum. Tatsache ist auch, dass jedes Unternehmen, in das er investierte, früher oder später signifikante Veränderungen erlebte. «Winterthur» und Leu landeten im Schosse der CS Group, Intershop wurde umgekrempelt, Alusuisse-Lonza wurde aufgespalten, Algroup mit Pechiney und Alcan verbandelt usw. Dieser Aktivismus hat ihm den Vorwurf des Shareholder-value-Fetischisten eingetragen. Doch seinem Handeln muss mehr zu Grunde liegen. Gerne wüsste man, was. Denn Geld hat der 55-jährige Jurist Martin Ebner genug verdient. Ergo muss etwas anderes die treibende Kraft sein.

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