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Das ist der neue UBS-Chef

Ralph Hamers hat aus ING «das Facebook unter den Banken» gemacht. Nun wird er Nachfolger von Sergio Ermotti.

Valentin Ade und Helmut Hetzel

«Es war keine leichte Entscheidung. Insbesondere wenn ich daran denke, dass ich in den zurückliegenden 29 Jahren mit so vielen Freunden und talentierten Kollegen für ING arbeiten durfte. Aber ich fühle mich geehrt, dass ich die Möglichkeit bekomme, ein so renommiertes Institut wie UBS (UBSG 8.888 -2.01%) leiten zu dürfen.»

Mit diesen Worten kommentiert der Chef der niederländischen ING Bank, Ralph Hamers, seinen Wechsel von der ING Bank in Amsterdam zu UBS. Der 53-Jährige, der die ING Bank seit 2013 leitet, wechselt zum 1. September zu UBS und wird per 1. November Nachfolger von CEO Sergio Ermotti.

Modernisierer

Damit holt sich UBS einen der besten Banker und Manager der Niederlande ins Haus. Denn Hamers hat die ING Bank in den vergangenen sieben Jahren modernisiert, digitalisiert und profitabel gemacht. Er selbst urteilt: «Ich habe die ING Bank zum Facebook (FB 160.45 2.33%) unter den Banken gemacht.» In der Tat.


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Viel Lob in den Niederlanden

Allein 2018 verzeichnete die ING Bank weltweit einen Zuwachs von 1 Mio. Neukunden. Durch die rasante Digitalisierung des Instituts steigerte Hamers die Effizienz und senkte die Kosten. «Die ING Bank hat ein hervorragendes Kosten-Ertrags-Verhältnis», stellt Analyst Rob van Hout von der van Hout Investment Research in Amsterdam fest. «Auf jeden Euro, den die ING Bank verdient, fallen derzeit Kosten von nur 0.56 € an.»

«Er ist der beste Manager der Niederlande», sagt Börsenanalyst Jos Versteeg vom Effektenhaus Insinger Gilissen über Hamers. Punkto Effizienz und Rentabilität gilt ING im europäischen Vergleich daher als vorbildlich. Dinge, die bei UBS verbessert werden müssen.

Erfahrung mit Systemrelevanz

Hamers hat zudem Erfahrung mit Systemrelevanz. In der Finanzkrise musste ING wie UBS auch vom Staat gerettet werden. Die Niederlande schossen 10 Mrd. € in ihren Allfinanzriesen ein und übernahmen rund 80% der Schrotthypotheken, die ING in den USA vor Ausbruch der Immobilien- und Finanzkrise im Wert von rund 26 Mrd. € erworben hatte.

Die EU verfügte, ING müsse in einen Bank- und einen Versicherungskonzern aufgespalten und verkleinert werden. 2009 hatte sie noch eine Bilanzsumme von rund 1,5 Bio. €, mehr als das Doppelte der niederländischen Wirtschaftsleistung. Sie war mit rund 131’000 Mitarbeitern in 85 Ländern aktiv.

Vor allem Finanzierungs- und Handelshaus

Nach Verkauf und Kotierung diverser Geschäfte hat die Bank heute eine Bilanz von 892 Mrd. € und ist mit 53’000 Mitarbeitern in vierzig Ländern unterwegs. Anders als der grösste Verwalter von privaten Vermögen UBS ist ING allerdings vor allem ein Finanzierungs- und Handelshaus.

Befragt man ING-Mitarbeiter, was ihre persönlichen Erfahrungen mit Ralph Hamers sind, dann ist oft zu hören: «Er behandelt uns mit Respekt. Er ist ein sozialer Netzwerker. Er weiss, wann er Ja, und er weiss, wann er Nein sagen muss. Er ist sympathisch und durchsetzungsfähig und kann zuhören.»

Sohn eines Bergmanns

Der gläubige Katholik Hamers ist im kleinen, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze in der südlichen Provinz Limburg liegenden Simpelveld aufgewachsen. Sein Vater war Bergmann, seine Mutter Hausfrau. Hamers studierte Ökonometrie an der Universität Tilburg, arbeitete nach dem Studium dort zunächst als Wissenschaftler, danach als Logistikmanager für General Motors (GM 21.225 -0.72%) in Belgien und begann 1989 als Trainee bei der ABN Amro Bank.

1991 wechselte er zur ING-Gruppe, für die er in verschiedenen Managementfunktionen vor allem in den drei Benelux-Ländern sowie in Osteuropa tätig war. 2005 wurde er Chief Executive Officer (CEO) der ING Bank Niederlande. 2013 CEO der gesamten ING-Bankgruppe.

Andere Vergütungsliga

Negativ in die Schlagzeilen kam der verheiratete Hamers und Vater eines Sohnes und einer Tochter 2018. Das gleich zwei Mal. Zuerst, weil der damalige ING-Verwaltungsratspräsident, der ehemalige Shell-CEO Jeroen van der Veer, das Gehalt von Hamers um 50% erhöhen wollte. Das löste in den Niederlanden einen Proteststurm aus, an dem sich sogar Ministerpräsident Mark Rutte beteiligte.

Schliesslich musste Hamers auf die Gehaltserhöhung verzichten. Diese mageren Jahre dürften jetzt vorbei sein. Ermotti erhielt als UBS-CEO für 2018 rund 14,2 Mio. Fr., wovon 11,4 Mio. Fr. variable Bestandteile waren. Damit war er der bestbezahlte CEO der Unternehmen im Schweizer Leitindex SMI (SMI 9059.04 0.7%).

Bussenerprobt

Dann kam heraus, dass die ING Bank die gesetzlichen Vorschriften gegen Geldwäscherei nicht eingehalten hatte. Unter der Leitung von Hamers einigte sich das Institut auf einen aussergerichtlichen Vergleich mit dem Staat und zahlte eine Busse von 775 Mio. €.

Hamers ist also von ING etwas gewohnt, was ihn bei UBS wohl weiter begleiten wird. Für das laufende Jahr müsste er als UBS-CEO im schlimmsten Fall eine Strafe von 4,5 Mrd. € bilanzieren. Der Betrag steht beim Berufungsprozess wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung Mitte Jahr in Frankreich im Raum. Weitere Rechtsfälle werden folgen.

Diese Affäre hat einen kleinen Schatten auf die ansonsten blendende Karriere von Hamers geworfen. So kommentiert ING-VR-Präsident Hans Wijers, Ralph Hamers habe das Institut zukunftsfähig gemacht, und er bedauere den Weggang.

Die komplette Historie zu UBS finden Sie hier. »