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Das ist die meistgehasste Kryptowährung

Ripple ist in aller Munde – der Wert hatte sich in wenigen Wochen verfünffacht. Der Mitgründer gehört auf dem Papier zu den reichsten Menschen der Welt.

Alexander Trentin

Bitcoin als die populärste Kryptowährung kennt jeder. Doch plötzlich gibt es einen neuen Shooting Star: Ripple. Bis vor kurzem war sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Vergangene Woche erreichte sie Platz zwei beim Ranking der digitalen Währungen nach Marktkapitalisierung. Ripple war in gerade drei Wochen zeitweise auf das Fünffache gestiegen. Seit dem Hoch ist der Preis zwar um 25% gefallen – notiert aber immer noch 400-mal höher als vor zwölf Monaten.

Nach Marktkapitalisierung ist die Kryptowährung mit 100 Mrd. $ immerhin noch auf Platz drei, knapp hinter Ethereum. Doch während Bitcoin und Ethereum dezentrale Währungen sind, steht hinter Ripple das gleichnamige Unternehmen. Und das besitzt noch 61% der Kryptowährung selbst.

Vergangene Woche erreichte die Währung Ripple gar einen Wert von 383 Mrd. $. Demnach wäre das Unternehmen Ripple damals 233 Mrd. $ wert gewesen. Und eine Person – der Mitgründer Chris Larsen – war gemäss Ripple-Marktpreis auf einmal einer der reichsten Menschen der Welt.

Vermögen von zeitweise 60 Mrd. $

Larsen hält 5,2 Mrd. Ripple-Währungseinheiten und einen Anteil am Ripple-Unternehmen von 17%. Sein Vermögen erreichte dadurch vergangene Woche einen Gesamtwert von fast 60 Mrd. $. Damit war er in den Top Ten der reichsten Menschen der Welt – reicher als die Google-Gründer Larry Page and Sergey Brin. Nach dem aktuellen Ripple-Preis liegt Larsens Vermögen theoretisch immer noch über 35 Mrd. $.

Doch während Enthusiasten der Kryptowährungen höhere Kurse von Bitcoin & Co. gerne als Bestätigung für den Siegeszug der neuen Devisen heranziehen, stösst der Ripple-Kurssprung auf wenig Gegenliebe. Denn Ripple widerspricht vielen Grundüberzeugungen der Enthusiasten.

Was ist Ripple?

Das Unternehmen Ripple hat sich das Ziel gesetzt, Transaktionen zwischen Fremdwährungen schnell und günstig abzuwickeln. Banken sollen mit Ripple die Blockchain für Devisentransaktionen verwenden und nicht mehr ihre alten und schwerfälligen Systeme. Unter Blockchain versteht man dezentral gespeicherte Register von Transaktionen, die durch Bitcoin in die Welt gekommen sind.

Im Gegensatz zu anderen Blockchain-Anwendungen wird die Software von Ripple schon von der Finanzbranche für Transaktionen verwendet. Hundert Gesellschaften, darunter einige grössten Banken der Welt wie etwa Crédit Agricole (ACA 0 0%), Santander und Standard Chartered (STAN 709.9 -0.46%), sind gemäss dem Unternehmen schon im RippleNet. Die Finanzinstitute nutzen dabei besonders Ripples Settlement-Software xCurrent. Damit steht man will man sich als Wettbewerber zum führenden Zahlungsabwickler Swift etablieren.

Der CEO von Ripple, Brad Garlinghouse, betonte in einem Interview mit Sender NBC die Vorteile von Ripple gegenüber Bitcoin bei der Abwicklung von Transaktionen: «Wir sind ungefähr tausendmal schneller und tausendmal günstiger als Bitcoin.»

Doch um das Netzwerk zu nutzen, braucht es nicht die Währung Ripple (Kürzel XRP). Alle möglichen Währungspaare können über das Netzwerk versendet werden, ohne dass es eine Kryptowährung dafür bräuchte. Das Unternehmen erklärte zwar, dass einzelne Teilnehmer des Ripple-Netzwerks Interesse hätten, ihre Transaktionen über die Abwicklungswährung XRP auszutauschen. Doch bisher scheint das noch Zukunftsmusik.

Tatsächlich hat Chris Larsen im Dezember 2014 in einem Interview gegenüber dem Sender Fox Business wenig Wert auf die Währung gelegt: «Die grössere Gelegenheit ist nicht die Schaffung einer weiteren Digitalwährung – davon gibt es viele –, sondern eine Technologie ohne zentralen Betreiber zur Transaktionsabwicklung zu nutzen.»

Die Krypto-Szene rebelliert

Ein Unternehmen, das eine Kryptowährung selbst schafft – und davon auch noch fast zwei Drittel für sich selbst behält? Das stösst in der Szene auf Ablehnung. Unter dem Pseudonym P4Man schreibt ein Bitcoin-Investor etwa: «Es ist schwierig, einen rationalen Grund zu finden, warum XRP im Ripple-Protokoll existiert. Ausser, damit Ripple damit Geld scheffeln kann.»

Ein Kritikpunkt ist, dass das Netzwerk von Ripple nicht wirklich dezentral ist. Während die Blockchain von Bitcoin von über zehntausend Nodes – Netzwerkknoten – getragen wird, gibt es bei Ripple nur fünf anerkannte Nodes. P4Man schreibt: «Ripple is hochzentralisiert und XRP ist einem PayPal-Konto ähnlicher als einem System wie Bitcoin, das nicht auf Vertrauen angewiesen ist.»

Übel nimmt man Ripple auch, dass sie nicht eine Finanzarchitektur ausserhalb des traditionellen Bankensystems schaffen will. Sondern Ripple will hauptsächlich den Banken eine effizientere Dienstleistung anbieten. Bitcoin-Enthusiasten propagieren ihre Währung gerne als Alternative zum Geld, das durch Zentralbanken geschaffen wird und das man über Bankkonten hält.

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