Märkte / Aktien

Das Jahr des Hahns verspricht gute Börsen

Selbst für rationale Investoren ist das chinesische Horoskop interessant. Denn der Aberglaube bewegt die Anleger an den chinesischen Börsen.

Am Samstag fängt das neue chinesische Jahr an. Der als verschmitzt und unberechenbar geltende Affe macht dem wendigen und hart arbeitenden Feuerhahn Platz. Investoren an der Börse Hongkong können sich daher auf eher gute Zeiten einstellen.

So besagt es wenigstens der neue Feng Shui Index, der seit 1994 jedes Jahr vom Broker CLSA erstellt wird. Besonders die mit Wasser und Erde verbundenen Sektoren wie Immobilien, erneuerbare Energien, Transport und Glücksspiel böten erhebliches Aufwärtspotenzial.

Die gute Prognose mag angesichts der in den vergangenen Monaten gewachsenen Risiken überraschen. So ist die innenpolitische Lage in Hongkong angespannt, man macht sich Sorgen um die Stabilität der chinesischen Wirtschaft, und aus den USA droht mehr Protektionismus.

Zeit, um Probleme in Ordnung zu bringen

Doch der stolze Gockel zieht anders als der Affe Ordnung vor. Das sind gute Voraussetzungen, um Probleme in Ordnung zu bringen. Damit dürfte 2017, glaubt man dem Horoskop, die Volatilität der Börsen zumindest etwas abnehmen.

Die sonst streng methodisch arbeitenden Analysten von CLSA, die dem chinesischen Staatskonzern Citic angehört, räumten während der Präsentation ihrer Studie augenzwinkernd ein, dass Feng Shui eine rationale wissenschaftliche Basis fehlt. So trafen in den vergangenen Jahren – wie auch 2016 – die auf der traditionellen chinesischen Harmonielehre basierenden Voraussagen nicht immer ein.

Anders vor 23 Jahren, als der CLSA Feng Shui Index bei seiner ersten Auflage alle sieben im damaligen chinesischen Jahr verzeichneten grösseren Marktereignisse richtig vorhersagte. Er erfreut sich nicht zuletzt wegen dieses Volltreffers bis heute nicht nur bei Kleinanlegern, sondern bei manch einem der lokalen Tycoons einer erheblichen Popularität.

Auftritt eines Schauspielers als Signal

Zahlreiche lokale Anleger verlassen sich bis heute bei ihren Börsengeschäften auch auf den Ting-Hai-Effekt. So hiess ein 1992 ausgestrahlter Fernsehfilm mit dem Hongkonger Schauspieler Adam Cheng. Der spielte einen an der Börse auf Baisse setzenden Investor, der damit prompt das grosse Los zog.

Kurz nach Ausstrahlung des Dramas gab es an der Börse Hongkong tatsächlich eine massive Korrektur nach unten, so wie das in den folgenden Jahren wiederholt eintrat, wenn Cheng in anderen Filmen mitspielte.

Cheng selbst sieht darin einen reinen Zufall, wie er es jüngst auch Reportern der englischsprachigen Tageszeitung «South China Morning Post» sagte. Doch vor einem Vierteljahrhundert gaben – anders als heute – an der Hongkonger Börse nicht institutionelle Investoren den Ton an, sondern Privatanleger. Die reagierten auf allerhand mehr oder weniger obskure Ereignisse.

Es ist daher durchaus möglich, dass Chengs neue Rollen in später ausgestrahlten Filmen von den Investoren als Signal gesehen wurden, Gewinne mitzunehmen, und damit wiederholt  für Kurseinbrüche sorgten. Der Ting-Hai-Effekt hat über die Jahre allerdings an Wirkung verloren, geben an der Börse Hongkong doch nun international orientierte institutionelle Anleger den Ton an.

Kleinanleger in Festlandchina weiterhin wichtig

Heute haben an den nach wie vor von Kleininvestoren dominierten Börsen in Festlandchina Wahrsager und Gerüchte einen grossen Einfluss auf die Kursentwicklung. Das hat auch damit zu tun, dass die staatliche Zensur von der Regierung unerwünschte politische Nachrichten unterdrückt.

Und es gibt erhebliche Zweifel, ob die offiziellen Wirtschaftsdaten und die von den kotierten Unternehmen vorgelegten Resultate den Tatsachen entsprechen. Viele Investoren werden ihre Kaufentscheide denn auch 2017 nicht primär auf quantitative Daten abstützen, sondern auf obskurere Indikatoren wie etwa Feng-Shui-Indizes.