Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Das Kreuz mit der Fliegerei

Manfred Rösch

Swissair, Balair, Crossair – wem’s da nicht warm wird ums Herz. Tempi passati. Einst waren wir so stolz auf «unsere» Fluggesellschaft(en) wie auf das Matterhorn, und das weisse Kreuz im roten Feld schien für immer am blauen Himmel zu prangen. Das tut es zwar noch, doch bloss als eine Marke des Lufthansa-Konzerns. Auf dem Genussschein nebenan prangt rechts die Druckunterschrift von Moritz Suter, dem Gründer von Crossair, der stets mit Swissair verbunden war. Ein Pionier der Passagierluftfahrt: Er hatte eine Marktlücke erkannt, nämlich Verbindungen zu kleineren Destinationen. 1975 gründete Suter, mit 32 Jahren, seine erste kleine Fluggesellschaft, Business Flyers Basel, sass daneben jedoch weiter als Linienpilot in Swissair-Cockpits. Drei Jahre darauf wandelte er BFB in eine europäische Regionalfluggesellschaft um, mit Namen Crossair. Diese flog zum Beispiel Hannover an, oder Nürnberg, Innsbruck, Klagenfurt, etc. Crossairs Streckennetz wuchs rasch, die Flotte auch – und das Kapital gleich mit. Die erste Aufstockung ausserhalb von Suters Freundeskreis folgte 1983 vorbörslich, 1985 wurden Crossair an den Börsen Basel, Genf und Zürich (auch Tempi passati) kotiert. Drei Jahre darauf, in einer weiteren Runde, erwarb die Swissair 38% der Crossair-Aktien mit einem Stimmenanteil von 41%.

Nach der Jahrtausendwende war’s vorüber mit Steigflug, buchstäblich: Zwei Crossair-Maschinen stürzten ab, 34 Menschen kamen ums Leben. 2001 geriet Swissair ins Trudeln; Moritz Suter führte gar kurz ihre Geschäfte, doch erfolglos. Im Oktober dann standen alle Räder still: Grounding. Letzte Flüge am 27. März 2002 – Swissair von Zürich nach Kapstadt, Crossair nach Nürnberg. Unhappy Landing. Auf der Grundlage der Crossair wurde die neue Fluggesellschaft Swiss errichtet. Patriotische Hochgefühle weckt die keine.

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