Märkte / Devisen

Die Türkei verspielt das Vertrauen erneut

Der türkische Staatspräsident Erdogan feuert schon wieder den Notenbankchef. Die Abwertung der Lira könnte schlimme Folgen haben.

Mit schöner Regelmässigkeit sorgt der türkische Staatspräsident Recep Erdogan für eine Erneuerung an der Spitze der Notenbank. So geschehen am vergangenen Samstag. Der abtretende Chef der Zentralbank, Naci Agbal, konnte sich kaum fünf Monate im Amt bewähren, ehe er gefeuert wurde. Der vierte Notenbankchef seit 2019 wird Sahap Kavcioglu, ein treuer Gefolgsmann Erdogans und Ex-Abgeordneter der Regierungspartei AKP.

Die unmittelbare Reaktion der Finanzmärkte auf Erdogans Dekret war eindeutig: Das über die vergangenen Monate hart erarbeitete Vertrauen ist dahin. Die türkische Lira stürzte sofort ab. Der Wechselkurs gegenüber dem Dollar brach am Montag zeitweise um bis zu 15% ein. Die Risikoprämie auf eine zehnjährige Staatsanleihe schoss um über 4,5 Prozentpunkte nach oben auf mehr als 18%. Denn einmal mehr wurde den Marktteilnehmern vor Augen geführt, wie wenig unabhängig die Zentralbank am Bosporus tatsächlich ist.

Kräftige Leitzinserhöhungen

Der Technokrat Agbal hat einen Fehler begangen, der in Erdogans Augen unverzeihlich ist. Er wollte die stete Steigerung der Konsumentenpreise – im Februar lag die Inflationsrate bei 15,6% – mit Leitzinserhöhungen drosseln. Gemäss der unorthodoxen Auffassung des Staatsoberhaupts, die jedem Lehrbuch und jeglicher Erfahrung widerspricht, heizt eine Erhöhung des Leitzinses die Inflation aber erst so richtig an. Seit seiner Amtsübernahme im November hat Agbal den Leitzins von 10,25 auf 19% angehoben. Die letzte Erhöhung von 17 auf 19% geschah erst vergangene Woche. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?