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Das Leiden der Deutschen Bank

Die negativen Nachrichten reissen nicht ab. Anleger und Kunden distanzieren sich von der grössten Bank Deutschlands. CEO Cryan versucht zu beruhigen.

Der Aktienkurs spricht Klartext: Der Deutschen Bank geht es schlecht. Investoren trauen der Bank nicht. Die Valoren verlieren heute in Frankfurt erneut über 7% an Wert und tauchen zeitweise unter 10 €, können sich aber im Verlauf des Morgens etwas erholen. Damit notieren sie 52% tiefer als Anfang Jahr.

Die Marktkapitalisierung des Instituts beträgt nur noch knapp 15 Mrd. €.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Donnerstagabend berichtet, dass sich einige Hedge Funds, die ihre Derivatgeschäfte über die Deutsche Bank (DBK 9.06 +2.22%) abwickeln, allmählich vom Institut abwenden würden. Sie hätten einige ihrer Derivate in dieser Woche an andere Banken übertragen. Die Nachrichtenagentur verweist dabei auf interne Bankdokumente.

Hier die Entwicklung des Aktienkurses im langfristigen Verlauf:

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Die Verunsicherung im Markt zeigt sich auch an der Kursentwicklung der sogenannten Coco Bonds. Das sind Pflichtwandelanleihen, die in Aktien gewandelt oder abgeschrieben werden, wenn die Kernkapitalquote der Bilanz unter ein bestimmtes Niveau fällt.

Sie spiegeln somit die Angst der Anleger vor einer Zwangswandlung und einer Kapitalerhöhung. Ihr Kurs notiert heute Freitag tiefer als während der Turbulenzen im Februar. Entsprechend sind die Kosten für eine allfällige weitere Eigenkapitalbeschaffung gestiegen.

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Zwar tendieren die Aktienmärkte und Coco Bonds bisweilen zu Übertreibungen. Dass das Vertrauen angeschlagen ist, zeigt allerdings auch die Entwicklung normaler Anleihen.

Seit bekannt geworden ist, dass die US-Justizbehörde (DoJ) der Deutschen Bank Mitte September einen Vergleichsvorschlag von 14 Mrd. $ unterbreitet hat, sind auch Anleihen der Deutschen Bank unter Druck. Anleger fordern eine höhere Entschädigung für das eingegangene Risiko.

Eine bis 2019 laufende, vorrangige unbesicherte (Senior Unsecured) Euroanleihe beispielsweise wies noch vor zwei Wochen eine Rendite von 0,5% auf, heute liegt sie über 2%. Entsprechend ist der Kurs eingebrochen:

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Auf die angespannte Lage weisen auch die Risikoausfallprämien hin. Es wird teurer, sich gegen einen Zahlungsausfall des Instituts zu versichern. Die Preise für diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) liegen gegenwärtig nahe den Extremwerten von Februar diesen Jahres. Letztmals so hoch lagen die CDS-Prämien in den Jahren 2011 und 2012, zum Höhepunkt der Eurokrise.

Augenfällig ist der Vergleich mit der italienischen Bank Intesa Sanpaolo (ISPm 1.85 +0.45%). Investoren schätzen die Gefahr eines Zahlungsausfalls bei der Deutschen Bank deutlich höher ein als bei den Italienern:

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Die aktuelle Lage zeigt klar eine Akzentuierung der Unsicherheit bei den Anlegern.

Der CEO der Deutschen Bank, John Cryan, wandte sich am Freitag mit einem internen Schreiben an die Belegschaft. Darin erwähnt er die Hedge-Fund-Kunden, die die Bank verlassen hätten, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Deutsche Bank mehr als 20 Mio. Kunden zähle.

«Die Deutsche Bank verfügt über ein starkes Fundament. Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau auf Plan», schreibt er. Und weiter: «Wir haben gerade den Verkauf des britischen Versicherers Abbey Life abgeschlossen und auch bei unserer chinesischen Bank Hua Xia stehen wir vor einem Abschluss. Damit wird unser Eigenkapital weiter gestärkt.»

«Unsere Markt- und Kreditrisiken haben wir im Laufe der vergangenen Jahre deutlich reduziert. Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute», schreibt Cryan.

«Am wichtigsten in einer solchen Situation sind aber unsere Liquiditätsreserven», fährt der CEO fort. «Mit einem Wert von weiterhin mehr als 215 Mrd. € haben wir einen überaus komfortablen Puffer. Es bewährt sich nun, dass wir äusserst konservativ geplant haben.»

Und schliesslich: «Es gibt also keine Basis für diese Spekulationen. Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen.»