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«Das Pfund bietet klare Kaufgelegenheit»

Hans Redeker von Morgan Stanley sieht die britische Währung langfristig deutlich steigen. Und er sagt, was er für die SNB erwartet.

Herr Redeker, das Pfund ist rund um die Brexit-Rede von Theresa May auf seine Tiefstände zurückgefallen. Wie geht es weiter?
Die Abschwächung dürfte anhalten. Die Bereitschaft, in Grossbritannien zu investieren, wird ziemlich sicher abnehmen. Und wenn Theresa May im März den Artikel 50 aktiviert, wird das Pfund nochmals von einer Reihe von negativen News belastet.

Ist dies in den aktuellen Kursen noch nicht enthalten?
Ich gehe nicht davon aus. Wir erwarten im ersten Quartal die Tiefstkurse bei 1.17$/£. Das heisst aber nicht, dass das Pfund nicht attraktiv wäre.

Wie meinen Sie das?
Langfristig bietet das Pfund eine ganz klare Kaufgelegenheit.

Weshalb?
Allein schon aus Bewertungsgründen. Kaum ein anderes Land in der G-10-Gruppe zeigte vergangenes Jahr ein solch starkes Wirtschaftswachstum wie Grossbritannien. Das ist im aktuellen Kurs nicht berücksichtigt, weil das Pfund wegen des Brexit vor allem politisch getrieben ist.

Können Sie das noch etwas genauer erklären?
Heute ist das Pfund global gesehen eine der am stärksten unterbewerteten Währungen. Dazu kommt, dass das Land sich weiter von der Eurozone entfernt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Grossbritannien die Unternehmenssteuern deutlich senken wird. Das würde die Attraktivität des Standorts steigern. Das Einzige, was es noch braucht, ist ein klareres Bild, wo Grossbritannien künftig steht. Sobald dieses Bild vollständig ist, wird das Pfund nach oben drehen.

Welche Währungen könnten 2017 ebenfalls überraschen?
Wie das Pfund befindet sich auch die schwedische Krone in einer Turnaround-Situation. Ebenfalls massiv unterbewertet ist der mexikanische Peso. Er wird so lange günstig bleiben, bis klar wird, wohin die Politik von Donald Trump führt. Ab dem Moment wird es interessant, in den mexikanischen Peso zu investieren. Ebenfalls günstig ist die türkische Lira. Die politischen Probleme lassen allerdings keine baldige Erholung erwarten.

Der Dollar schwächelt seit einigen Tagen. Ist das nur eine Konsolidierung – oder sehen wir bereits ein Ende der Dollarhausse?
Wir sehen derzeit bloss eine kleine Korrektur von 2 bis 3%. Das ist kein Grund zur Sorge, längerfristig glauben wir noch immer an einen stärkeren Dollar

Wie lange wird die Dollarstärke anhalten?
Das ist nicht einfach zu prognostizieren. Wir wissen ja noch nicht, was der gewählte Präsident Donald Trump wirklich umsetzen wird. Ich gehe davon aus, dass der Dollar sich über mehrere Quartale hinweg aufwerten wird, mindestens bis ins erste Quartal 2018 hinein. Vielleicht werden wir dann sogar eine Übertreibung sehen, der Dollar könnte je nach Umständen über das Ziel hinausschiessen.

Was meinen Sie damit?
Das könnte dann passieren, wenn die neue Administration das Unternehmenssteuersystem radikal ändern würde. Zum Beispiel wenn der heutige Spitzensteuersatz von 35 auf sagen wir 15% reduziert wird und gleichzeitig die Importzölle angehoben werden. Dieses Jahr sind die Dollarbewegungen mehr politisch denn wirtschaftlich motiviert , wenn der Handelsprotektionismus ein globales Problem werden sollte.

Mit der Wahl von Donald Trump hat der Dollar einen zusätzlichen Impuls erhalten. Ist er der Hauptgrund für die starke US-Währung?
Nein, ich wäre ebenfalls von einem starken Dollar ausgegangen, wenn Hillary Clinton gewählt worden wäre. Ein «Trump-Dollar» unterscheidet sich von einem «Clinton-Dollar» einzig bezüglich des Zeitrahmens, in dem sich die Aufwertung abspielt. Oder anders gesagt: Ein «Clinton-Dollar» wäre weniger volatil, würde sich langsamer aufwerten und folglich den Höchststand erst später erreichen.

Gibt es noch weitere Aufwertungsfaktoren für den Dollar?
Mit Ausnahme von Japan wird Asien und speziell China, das unter Verschuldung und Überkapazitäten leidet, zwar Kapitalreserven anhäufen. Da aber lokale Anlagemöglichkeiten fehlen, wird es zu Kapitalabflüssen kommen. Dieses Umfeld lässt einen stärkeren Dollar erwarten. Denn im Gegensatz zu Asien haben die Vereinigten Staaten ihre Outputlücke schliessen können. Da die USA mehr investieren, steigen auch die Kapitalkosten. Dieses Szenario wäre auch unter einer Präsidentin Clinton eingetreten.

Wie teuer kann der Dollar noch werden?
Wir erwarten, dass der Dollar gegenüber dem Franken auf 1.09 klettert. Der Euro wird zum Dollar unter die Parität fallen. Unser Kursziel bis Ende Jahr liegt bei 97 Cent.

Was könnte die Dollarrally frühzeitig stoppen?
Ich möchte vorausschicken, dass ein starker Dollar etwas sehr Abnormales ist. Der Dollar ist die Weltleitwährung. 47% der grenzüberschreitenden Verpflichtungen sind in Dollar denominiert. Anders gesagt: Ein schwacher Dollar ist wie Öl für die Maschine. Deshalb ist der Dollar meist schwach. Nur in Ausnahmeperioden legt er zu, aber dann in der Regel während mehrerer Jahre. Ein starker Dollar sorgt für Leistungsbilanzdefizite in den USA. Ab einem gewissen Punkt wird es schwierig, sie zu decken. Das Ergebnis ist Gegenwind für die amerikanische Wirtschaft. Alleine das kann eine Reaktion auslösen.

Was heisst das für den Euro?
Was sich in den USA abspielt, kann Europa nur gelegen kommen, denn es schwächt die Gemeinschaftswährung. Man muss sich nur einmal das Konstrukt des Euros vor Augen führen. Er ist keine Währung, die für Deutschland oder den europäischen Durchschnitt passt. Es wurde so geplant, um dem schwächsten Mitglied der Eurozone das Überleben zu sichern.

Weshalb hat sich der Euro nicht schon viel früher abgeschwächt?
Weil der Euro eine typische antizyklische Währung geworden ist. Das sieht man daran, dass bei steigenden Inflationserwartungen der Euro fällt, da die Europäische Zentralbank gemässigt handelt und die realen Renditeunterschiede zwischen den Währungen eine Rolle spielen. Vergangenes Jahr waren die Vorzeichen umgekehrt. Deshalb war der Euro gegenüber anderen Währungen stark.

Können Sie das ausführen?
Die realen Renditen waren in Europa zu hoch, als dass der Euro hätte fallen können. In Deutschland beispielsweise sanken die Inflationserwartungen rapide. Nun ist das Umfeld reflationärer. Europa sollte sich eigentlich bei Trump bedanken. Er hat mit seinem reflationären Ansatz ein Umfeld geschaffen, das der Europäischen Zentralbank EZB die Möglichkeit gab, den Euro zu schwächen.

Was bedeutet ein schwacher Euro für den Franken?
Ich glaube nicht, dass dem Franken unmittelbar Aufwertungsdruck droht. Die Schweizerische Nationalbank konnte sich in den vergangenen Wochen etwas zurücklehnen. Die Reflation in den USA limitiert das Aufwärtspotenzial des Frankens. Gegenüber dem Euro wird er um 1.05 oder 1.06 pendeln.

Dieses Jahr stehen in Europa wichtige Wahlen an. Keine Gefahr, dass der Franken wieder zum sicheren Hafen für Anleger wird?
Nur dann, wenn sich gleichzeitig die globale Wirtschaft abschwächt und die Inflationserwartungen sinken. Das Problem der SNB (SNBN 1975 1.54%) ist die aufgeblasene Bilanz. Investoren gehen davon aus, dass sich die Schweiz aus diesem Grund kaum gegen Kapitalzuflüsse wehren kann. Aber die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist sehr gering. Das SNB-Direktorium wird dieses Jahr ruhig schlafen können.