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Das Problem der UBS ist nicht Frankreich

Die Entwicklung des Aktienkurses zeigt ein generelles Misstrauen gegenüber der Strategie der Bank. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Die UBS hat vielleicht letztlich das Recht auf ihrer Seite, aber nicht den Markt.»

Die UBS (UBSG 12.12 2.62%) ist in Frankreich in einen Schlamassel geraten. Die Bank, die in den ersten Jahren nach der Finanzkrise auf eine möglichst schnelle (wenn auch teure) Bereinigung der offenen Rechtsfälle setzte, hat sich auf einen Rechtsstreit eingelassen, der noch Jahre dauern könnte. Angesichts des horrend hohen Betrages bleibt der UBS allerdings nichts anderes übrig, als den Instanzenweg zu gehen.

Der Richtungsentscheid der französischen Justiz ist niederschmetternd: 3,7 Mrd. € Busse und 800 Mio. € Schadenersatz. Die UBS soll zahlen – ein Vielfaches mehr als die 780 Mio. $ Busse, die ihr im US-Steuerstreit aufgebrummt wurden. Die Franzosen verlangen die Hälfte mehr als die 2,4 Mrd. $, die Credit Suisse (CSGN 12.42 2.48%) in ihrer Ungeschicktheit den Amerikanern abliefern musste. Mit der britischen Grossbank HSBC (HSBA 671.4 1.27%) einigte sich Frankreich für 300 Mio. €, obwohl ihre Schweizer Tochtergesellschaft mit der Affäre Falciani den grössten Datenklau verzeichnet hatte.

Es ist zwar eine wichtige Grundsatzfrage, ob Frankreich mit dem Urteil französisches Recht auf Schweizer Boden durchsetzen will. Solche «Übergriffe» sind aber nicht neu. Schweizer Banken haben sie bisher widerwillig akzeptiert. Die Steuerstreitigkeiten mit den USA und mit Deutschland umfassten auch extraterritoriale Anwendung des jeweiligen Rechts. Erst die inflationäre Bussenentwicklung rückt die Frage nun ins Zentrum.

Auch wenn die abschliessende rechtliche Qualifizierung der Vorgänge in Frankreich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ist doch unbestritten, dass die Verwaltung unversteuerter, hinterzogener Gelder zum – völlig legalen – Geschäftsmodell der Schweizer Banken vor der Finanzkrise gehörte. Das Geschäftsmodell hat sich völlig verändert.

Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft muss man allerdings sagen: Das Problem der UBS liegt nicht in Frankreich. Selbst eine Milliardenbusse der Grande Nation kann allein nicht erklären, wieso der Aktienkurs der Bank heute bei nur 12.40 Fr. liegt, obwohl die Dividendenrendite über 5,5% beträgt. Die UBS hat vielleicht letztlich das Recht auf ihrer Seite, aber nicht den Markt. Dieser zweifelt offensichtlich an der behaupteten Überlegenheit der heutigen Geschäftsstrategie und an den Prognosen, die eine stetig wachsende Dividende und zunehmende Aktienrückkäufe versprechen.

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