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Das Rätsel des schwachen Frankens

Der Franken-Euro-Wechselkurs notiert über 1.23 Fr./€. Wer kauft Euro, und weshalb?

Philippe Béguelin

Der Franken schwächte sich am Dienstag gegenüber dem Euro 0,7% ab, der Wechselkurs stieg von 1.2255 auf 1.2337 Fr./€. Das ist ein deutlicher Sprung, zumal die Schwankungsbreite (Volatilität) des Währungspaars seit der Einführung des Mindestkurses der Nationalbank abgenommen hat.

Der Wechselkurs begann am Dienstagmorgen etwa um 9 Uhr zu steigen, zu diesem Zeitpunkt publizierte die Nationalbank die neusten Daten zu den Fremdwährungsreserven. Der Bestand hatte im April lediglich 1,1% abgenommen auf 433 Mrd. Fr. Im März waren die Devisenreserven 1,9% gewachsen und seit Anfang Jahr insgesamt 1,5%. Solch geringe Fluktuationen sind kein Grund für eine deutliche Auf- oder Abwertung des Frankens.

Der Euro steigt, aber erst später

Der Euro ist am Dienstag nicht nur zum Franken, sondern auch zum Dollar erstarkt. Zum Greenback sprang er allerdings erst um zwölf Uhr mittags in die Höhe, als erfreuliche Zahlen zum Auftragseingang der Industrie in Deutschland publiziert wurden. Am Vormittag während der Frankenschwäche hatte sich der Dollar-Euro-Wechselkurs seitwärts bewegt.

Einen ähnlichen Sprung in die Höhe wie am Dienstag hatte der Franken-Euro-Kurs am 23. April getan und einen kleineren Hüpfer am 8. und 9. April. Damals erklärten die Analysten von Barclays (BARC 157.74 -1.54%), Anleger würden zugreifen und in den Euro investieren, sobald der Wechselkurs an der unteren Grenze eines charttechnischen Handelsbands auf 1.212 Fr./€ notiere (vgl. hier). Für unsere damalige Vermutung, womöglich kaufe die SNB (SNBN 5680 0%) Euro, gibt es bisher keinerlei Anhaltspunkte.

Modelle liefern keine Erklärung

Die Rolle des Frankens als sicherer Hafen beleuchtet eine Studie der Nationalbank. Sie besagt, der Safe-Haven-Status gelte nicht unumschränkt, sondern nur vis-à-vis gewissen Währungen wie dem Euro, nicht aber gegenüber Dollar, Yen und Pfund. Diese drei Währungen böten eine bessere Absicherung gegen globale Risiken (vgl. hier und hier). Eine Erklärung für die neusten Kursschwankungen liefert die Studie allerdings nicht.

Das Modell der SNB sei allzu einfach, kritisiert der Blog Snbchf.ch. Er skizziert die Bewegungen des Frankens resp. der Währungen anhand eines Modells mit fünf Faktoren: Kreditzyklus, Aussenhandel, finanzielle Position, Risikoaversion sowie Entwicklung der reichen und der armen Länder (vgl. hier). Auch da findet sich keine direkte Ursache für die neuste Kursbewegung.

Das Rätsel des schwachen Frankens ist noch nicht gelöst.

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