Meinungen

Das reicht nicht

Auch positive Überraschungen vermögen derzeit kaum noch Kurssteigerungen auslösen. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Adrian Blum.

«So richtig sind die konjunkturellen Risiken der zweiten Coronawelle am Aktienmarkt noch nicht angekommen.»

Weniger schlimm als befürchtet oder sogar etwas besser als gedacht: So urteilt der Markt derzeit, geht es um Zahlen zum dritten Quartal Schweizer Unternehmen und die Äusserungen des Managements zum Ausblick. Die Kursreaktionen fallen aber mässig aus oder zeigen nur eine Erholung nach den jüngsten Verlusten. Das hat Gründe. Der Schweizer Aktienmarkt hat sich nach dem übertrieben starken Einbruch im Frühjahr ebenso übertrieben schnell erholt. Der SPI (SXGE 13'040.78 +0.15%) ist aktuell höher bewertet als zu Jahresbeginn.

So richtig sind die konjunkturellen Risiken der zweiten Coronawelle am Aktienmarkt noch nicht angekommen. Lichtblick ist der Industriesektor, der sich recht gut an den Corona-schutzmassnahmen vorbeischlängelt, auch dank der Nachfrage aus China. Deutlich schlechter sieht es aus in einzelnen Konsumbereichen und im Dienstleistungssegment, wie Tourismus und Gastronomie. 

Alles setzt darauf, dass es nicht zu ­harten Lockdowns wie im Frühjahr kommt. Ausgemacht ist das noch nicht. Und geht aus den US-Präsidentschaftswahlen ein klarer Sieger hervor, wäre das bestenfalls eine gewisse Erleichterung, aber kein Auslöser für einen Boom. Eine Hängepartie hätte dagegen Korrekturpotenzial.

Abwärtsrisiken sind also da, Aufwärtschancen kaum. Bleibt als Dauerargument für steigende Kurse nur die Liquidität. Diese Begründung überzeugt je länger, je weniger. Es braucht vielmehr bessere Gewinnaussichten. Was derzeit publiziert wird, reicht nicht. Es heisst also für Anleger, auf Qualität zu setzen und dabei zu bleiben, ohne allzu grosse Kursavancen zu erwarten.

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