Meinungen

Das Rennen gegen die Zeit

Neun Jahre Bullenmarkt. Es gibt gute Gründe, warum das nicht mehr lange gut geht. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Je länger eine Hausse dauert, desto unvorsichtiger werden die Anleger»

Ist das nun die längste Hausse aller Zeiten oder doch nur die zweitlängste seit dem Zweiten Weltkrieg? Die Antwort hängt wohl davon ab, wie man eine Haussephase definiert und welcher Index als Vergleichswert dient. Tatsache ist, dass wir gerade das Neunjahrjubiläum des jüngsten Bullenmarkts feiern durften. Der Dow Jones (Dow Jones 24214.39 -0.72%) Industrial hat sich in dieser Zeitspanne vervierfacht, der Swiss Market Index (SMI (SMI 8551.02 -2.17%)) immerhin verdoppelt.

Gemäss gängiger Definition eines Bullenmarkts verdient eine Phase steigender Kurse diese Auszeichnung, sobald der Referenzindex 20% steigt. Eine Korrektur von 20% bedeutet das Ende der Hausse und den Anfang des Bärenmarkts. Der SMI notierte am Mittwoch 7% unter seinem Höchst vom 9. Januar. Das bedeutet einerseits, dass wir uns weiter in einem Bullenmarkt befinden, andererseits rückt die Gefahrenzone für das Abrutschen in einen Bärenmarkt näher.

Je länger eine Hausse dauert, desto unvorsichtiger werden die Anleger, besagt eine Börsenregel. Wer nur eine Richtung kennt, ist oft bereit, Risiken einzugehen, die er früher wohl gescheut hätte wie der Teufel das Weihwasser. Das gilt nicht nur für Aktieninvestoren, sondern auch für Unternehmer. In der Regel geht das eine Weile gut, führt dann aber oft zu einem Ende mit Schrecken. Dann  wächst die Risikoaversion, Aktienkurse purzeln, und das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich.

Stützt man sich auf die Auswertung des US-Brokers LPL Research, fehlen für den Titel der längsten Hausse seit dem Zweiten Weltkrieg noch fünf Monate. Zu schlagen gilt es die Zeitspanne von 1990 bis 2000. Gründe, warum der Bullenmarkt bald zu Ende gehen soll, gibt es mittlerweile viele. Das wird ein Rennen gegen die Zeit.

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