Meinungen

Das Seco verströmt Optimismus

Die Konjunktur in der Schweiz wird sich erholen – es fragt sich jedoch, wann. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Um diese Werte zu erreichen, bedarf es ab dem zweiten Quartal eines wahren wirtschaftlichen Booms.»

Die Schweiz befindet sich im ersten Quartal 2021 nach wie vor in der Rezession. Gemäss den neusten Schätzungen und Prognosen des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) im ersten Quartal 1,5 bis 2% geschrumpft. Für 2020 rechnet das Seco mit einem Rückgang des BIP von knapp 3%. Das ist insofern eine gute Nachricht, als ursprünglich mit einem deutlich schärferen Einbruch gerechnet worden war.

Das Seco prognostiziert für das laufende Jahr ab dem zweiten Quartal eine rasante konjunkturelle Aufholjagd. Für das ganze Jahr wird ein BIP-Wachstum von 3% veranschlagt – ein sehr optimistischer Wert. Im kommenden Jahr soll sich das Wachstum noch weiter auf 3,3% beschleunigen.

Um diese Werte zu erreichen, bedarf es ab dem zweiten Quartal eines wahren wirtschaftlichen Booms. Eine derartige Entwicklung dürfte nur dann möglich sein, wenn der Bundesrat mit der weiteren Lockerung der Coronamassnahmen ernst macht. Damit würden sich vor allem im privaten Konsum rasch Nachholeffekte manifestieren. Zudem setzt die Prognose darauf, dass die Konjunktur in den wichtigsten Exportmärkten – EU, USA – kräftig bleibt. Zumindest für die EU ist das jedoch alles andere als sicher.

Das Seco konzediert denn auch, dass die Prognose mit hohen Unsicherheitsfaktoren belastet ist. So könnte sich sehr wohl auch eine verzögerte Erholung ergeben. Gemäss diesem Szenario (Seco-Chefökonom Eric Scheidegger mochte den einzelnen Szenarien vor den Medien keine Wahrscheinlichkeiten zuordnen) kann die Erholung auch deutlich verzögert verlaufen. Bleiben die Coronamassnahmen im In- und Ausland länger in Kraft, könnte das BIP 2021 sehr wohl auch nur 1,8% wachsen – eine wohl realistischere Annahme.

Zu wenig Zuversicht gibt auch der Arbeitsmarkt Anlass. Die Arbeitslosenquote ist im Februar gemessen am Vormonat zwar leicht gesunken, von 3,7 auf 3,6%, doch das ist kein Besserungssignal, denn dabei handelt es sich nicht um saisonbereinigte Zahlen. Saisonbereinigt ist die Quote von 3,5% im Januar auf 3,6% im Februar gestiegen. Die absolute Zahl der Arbeitslosen lag im Februar gut 50’000 Personen (42,5%) höher als vor Jahresfrist.

Zudem ist die Beschäftigung im vierten Quartal 2020 zum dritten Mal in Folge gesunken. Vor allem zeigt der vorlaufende Indikator der Beschäftigungsaussichten gemäss den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik Ende 2020 deutlich nach unten. Der negative Trend am Arbeitsmarkt wird sich vorerst fortsetzen.

Die Seco-Zahlen besagen ferner nichts zur mittelfristigen Entwicklung. So ist in etlichen Branchen mit markanten strukturellen Veränderungen zu rechnen, namentlich in der Gastronomie, im Fremdenverkehr oder im Event-Bereich. Bis sie das Vorkrisenniveau – falls überhaupt je – wieder erreichen, wird es sehr lange dauern.

Zudem werden die enormen neu aufgebauten Schulden der öffentlichen Hand belastend wirken. Zumindest auf Bundesebene ist damit zu rechnen, dass der Schuldenabbau kaum ohne Steuererhöhungen durchführbar sein wird. Das aber wird die konjunkturelle Entwicklung bremsen.